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Vergnügen und Tiefgang reichen sich die Hände.
Review von Dani Fromm
Get On Board! Schließlich sorgte der fantastische Frisör, trotz des nachhaltigen Grusels, den er mit seinem Reflektorfalke-Projekt bescherte, bereits das eine oder andere Mal für ordentliche Unterhaltung. Trotzdem überrascht, mit welcher Mühelosigkeit sich auf "Kennzeichen D" Vergnügen und Tiefgang die Hände reichen.

Die Furcht vor weiteren "Lektionen In Demut" erweist sich als vollkommen unbegründet. Thomas Ds dritter Alleingang macht Spaß und berührt, bringt Köpfe zum Nicken und Herzen zum Schmelzen. Sollen selbsternannte Hip Hop-Puristen ruhig wieder die unüberhörbare Poppigkeit begreinen. Sie beweisen damit doch nur, dass sie nicht verstanden haben, dass sich nur Zwerge in Schubladen sperren lassen.

Ein alter Hase wie Thomas D muss darüber vermutlich noch nicht einmal mehr lachen. Er hat die Mechanismen flüchtigen Ruhms ebenso durchschaut wie die überaus berechenbare Vorgehensweise der Medien. Während andere nach ihren "15 Min. Of Fame" gieren, schlendert er zu Gitarren- und Banjo-Klängen gemütlich in den Sonnenuntergang.

Eigentlich wirklich ein ganz umgänglicher Typ, der zu hüpfender Melodie den Grund seines Hierseins referiert, mit funky Bläsern zu sich an Bord zitiert, um von dort aus seinen Wohnmobil-Trip von einst in unendliche Weiten auszudehnen. Mit dem Rückenwind von Synthiestreichern per Anhalter durch die Galaxis: Solange das Handtuch fest im Griff bleibt, gilt: "Keine Panik!" Die Zeit, es zu werfen, scheint nicht in Sicht.

In Zusammenarbeit mit Edo Zanki wird in "Wir Brauchen Dich" satt der Funk ausgepackt. Von diesem Kaliber bräuchten wir in der Tat deutlich mehr. Aus "Rennen" grüßt neben den synthetischen 80ern eine Beatbox: "Alles wird klar, wenn der Beat los geht." Thomas D verfügt über die Bassline, um die Madonna in "Give It To Me" so vergebens fleht. "Thank U For The Music"!

Abgesehen von der triefäugigen Kitsch-Nummer "Die Stadt Schläft" beschert der Hausmeister in den Grenzgebieten von Hip Hop, Funk und Pop exzellent groovenden Zeitvertreib. Darüber hinaus legt er aber ganz andere, nachdenkliche Seiten offen, ohne - wie einst bei den "Lektionen" - den Bogen zu überspannen.

Ein Song an die Tochter - im Grunde ekelt mich bereits die Vorstellung davon. So gut wie immer resultiert solches in rührseligem Anschmachten des eigenen Erbmaterials. Thomas D präsentiert mit "Neophyta" die gepriesene Ausnahme: Statt privater Winseleien, die außerhalb des engsten Familienkreises wirklich niemand hören will, gelingt ihm eine bewundernswert kluge Ansprache. Erziehung zur Eigenständigkeit tut nicht nur Kindern, sondern besonders deren Eltern gut. Hut ab.

Mit "An Alle Hinterbliebenen" legt Thomas D schließlich noch einen dieser seltenen, aus erlebtem Schmerz gegossenen Songs obendrauf, die im richtigen Moment gleichzeitig töten und Leben retten können. Vergebung? Für alles, das ich an "Lektionen In Demut" fürchterlich fand? Hier ist sie!

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