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Divers ist das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Sängerin und Liedermacherin Joanna Newson. Das Album erschien am 23. Oktober 2015 bei Drag City.

Normalerweise redet man mit Musikern nicht lange über ihre neuen Alben, die meisten erschöpfen sich in Phrasen: das Beste, was ich je gemacht habe, ein frischer Start, die angenehmsten Aufnahme-Sessions ever, blablabla. Unendlich langweilig. Man redet also lieber über anderes: den Ruhm, die Selbstinszenierungen, die Konkurrenz, wenn's gut läuft, über Politik und den Lauf der Welt.

Die Musik von Joanna Newsom ist nichts zum nebenbei hören. Ihre anspruchsvollen Kompositionen verbinden Folk-Elemente, Indie-Rock und Klassik. Ihre avantgardistischen Texte lassen sehr viel Raum zum interpretieren. Mit ihrem vierten Album "Divers" zeigt sich die Kalifornierin von ihrer poppigen Seite.

Sie könne es sich nicht erlauben, einfache Song zu schreiben, sagt Joanna Newsom, denn das würde ihre Fans enttäuschen. Eine simple Junge-trifft-Mädchen-Liebesgeschichte in Strophe-Refrain-Format findet man deshalb auch nicht auf ihrem vierten Album Divers. Allerdings macht sie das gar nicht bewusst, sagt sie.

Auf keinen Fall normale Songstrukturen

Das stimmt, aber ich mache das nicht bewusst. Es ist ja nicht so, dass ich mich zum Song schreiben hinsetze und denke: Auf keinen Fall normale Songstrukturen! Kein Strophe-Refrain-Format! Diese Art zu schreiben ist für mich nur nicht unbedingt die einfachste. Ich benenne die Teile dann meistens mit A, B, C und so weiter. Aber das ist alles recht willkürlich.

Divers ist vergleichsweise leicht zugänglich, die Songs im Unterschied zu ihren zehnminütigen Balladen geradezu poppig. Trotzdem ist das Album wie ein Gartenlabyrinth, mit exotischen Pflanzen, schillernd bunten Vögeln und exzentrischen Besuchern. Neben Newsoms Harfe und Klavier kommen unzählige Instrumente zum Einsatz, sogar zwei Orchester begleiten sie bei einigen Stücken.

Wenn Newsom Songs schreibt, beginnt sie meistens mit der Melodie, sagt sie.

Ich beginne meistens mit Akkorden und der Melodie. Die kommen oftmals zusammen mit schemenhafte Themen oder Geschichten, zu denen es aber noch keinen Text gibt. Ich benutze dann Platzhalter um die Gesangsmelodie zu schreiben und danach fange ich erst mit dem eigentlichen Songtext an. Das kann dann alles zwischen zwei Wochen und zwei Jahre dauern.

Es wird viel getaucht

Die Songs auf Divers sind komplexe Erzählungen von Krieg, New York City, Liebe und Zeit. Ihr seltsamer Gesang zwischen Hochfrequenz und Quäken verleiht den referenzbeladenen Texten zusätzliche Ausdrucksstärke. Den Albumtitel Divers hatte Joanna Newsom von Anfang an im Kopf.

Ich hatte den Titel von Anfang an im Sinn, wusste damals aber noch nicht so genau warum. Aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass es in allen Songs im weitesten Sinne eine Form von Tauchen gibt. Tauchen im Wasser, in der Luft oder nach Beute tauchen, wenn du ein Vogel bist. Es wird viel getaucht.

Man kann wohl mit Recht behaupten, dass es derzeit niemanden gibt, der so Musik macht wie Joanna Newsom. Man muss sich einlassen auf ihre Mischung aus Folk, Avantgarde und Klassik. Wer Spaß an komplexen Kompositionen hat und sich gerne durch vielschichtige Texte arbeitet, für den ist Divers genau das richtige Herbstalbum.

Nur eine knappe Stunde benötigen die elf neuen Stücke, die meisten sind um die fünf Minuten lang und von beinahe Pop-gerechter Zugänglichkeit. Ähnlich wie beim jüngsten Album ihrer Kollegin Julia Holter scheint es auch bei Newsom eine deutlichere Anlehnung an den warmen Laurel-Canyon-Sound der Siebzigerjahre zu geben, sogar eine elektrische Gitarre geistert manchmal durch die mal lässig groovenden, mal fein ziselierten Arrangements.

Harfe wird weniger gespielt, dafür mehr Klavier, Mellotron, Celesta und Klavichord. Jeder Song wurde von einem anderen Arrangeur betreut, darunter alte Weggefährten wie Ryan Francesconi, es gab Streichquartette und ein ganzes Sinfonieorchester, um Newsoms klangliche Vision exakt so umzusetzen, wie sie ihr vorschwebte. Als Produzent diente, wie schon bei den Alben zuvor, Noise-Legende Steve Albini. Ans Mischpult setzte sich Newsom erstmals selbst.

"Deswegen hat es auch ein halbes Jahr gedauert, das Album abzumischen, nicht zwei Wochen, wie sonst", lacht sie, "bei mir geht nun einmal nichts schnell." Insgesamt fünf Jahre mussten sich ihre inzwischen zahlreichen Fans gedulden, bis "Divers" fertig war, ein wuchtiges, weit ausgreifendes Werk, das zwischen traditionellem Folk und Klassik, zwischen Country, Kammermusik und Avantgarde-Pop oszilliert und jegliche Kategorisierung in E- oder U-Musik transzendiert. Ein süchtig machendes Hör-Erlebnis und eine nie enden wollende Entdeckungsreise in klangliche Sphären, die man glaubt, noch nie betreten zu haben, in die man sich aber unbewusst schon immer hineingesehnt hat. Kurz: eines der besten Alben des Jahres.

Um Transzendenz geht es diesmal auch in den Texten, es endet sogar mit der abreißenden Silbe "Trans…" und beginnt, in "Anecdotes", mit dem Wort "Sending". Anders als auf "Have One On Me", das größtenteils autobiografisch gefärbt war und viel von ihrer Heimat Kalifornien handelte, ist Zeit das große Thema von "Divers", "es handelt davon, was der Verlauf der Zeit bewirkt: Erinnerungen, Revisionen, Auslöschungen und Verzerrungen", erklärt Newsom.

Die Titelliste

1. "Anecdotes" 6:27
2. "Sapokanikan" 5:11
3. "Leaving the City" 3:48
4. "Goose Eggs" 5:01
5. "Waltz of the 101st Lightborne" 5:22
6. "The Things I Say" 2:35
7. "Divers" 7:07
8. "Same Old Man" 2:26
9. "You Will Not Take My Heart Alive" 4:01
10. "A Pin-Light Bent" 4:26
11. "Time, As a Symptom" 5:28

Anschaulich wird das im Song "Sapokanikan": Im Video läuft Newsom durch die Straßen von Manhattan, etwas, was sie tatsächlich oft tat in jüngster Zeit, wenn ihr Gatte in New York arbeiten musste. Vorbei geht's an Wolkenkratzern und Landmarken und immer wieder durch den Washington Square Park, jene Hipster-Sammelstelle nahe Greenwich Village. Sapokanikan hieß das Dorf der amerikanischen Ureinwohner, das an diesem Ort einst stand. Später wurde ein Armenfriedhof daraus, ein Potter's Field, dann eine öffentliche Hinrichtungsstätte, von der bis heute die Hangmen's Elm in einer Ecke des Parks zeugt - Schichten um Schichten von Ereignissen, Erzählungen und Emotionen, alle vergraben unter einem kleinen Flecken Erde.

In "Sapokanikan" ist es das "Ozymandias"-Sonett von Percy Bysshe Shelley, das als Vorlage und Orientierungspunkt für den Text diente, dazu kommen diverse andere kulturelle, historische und künstlerische Referenzen, die Newsom in ihren Liedern verarbeitet. "Ich lese viel und stöbere den Informationen nach, die mich neugierig machen." Bei "Divers" habe sie erstmals das Gefühl gehabt, alle Songs seien bereits vorhanden gewesen. "Es ist, als wenn du eine Melodie hörst, die du nicht gleich zuordnen kannst: Aus welchem Stück ist das, aus welchem Lied!? Oh, es ist ja aus meinem eigenen!"

Doch erst durch die akribisch ausgefeilten und instrumentierten Arrangements werden die Songs komplett. Für das aquatische Titelstück, in dem eine Frau ihrem Liebsten, einem Tiefseetaucher, hinterhersinnt, sich um ihn sorgt und sich vor der drohenden Einsamkeit ängstigt, nahm sie einzelne Töne auf, die verschieden gefüllte Weingläser machen, wenn sie angestoßen werden. Am Mellotron fügte sie diese Samples zu polyphonen Akkordblöcken zusammen, "das ergab genau den Klang einer Flutwelle, den ich wollte. Es musste sich anhören, als wäre man unter Wasser".

Die verschiedenen Schichten unseres Lebens, die zahlreichen Persönlichkeiten, die wir einmal waren, tragen wir wie einen Satz Spielkarten mit uns herum, singt Newsom mit ihrer hellen, gen Himmel gerichteten Stimme und ihrem weit offenen Sensorium für die Mystik der menschlichen Natur in "The Things I Say": "We carry them like a pack of cards/ Some we don't use, but we don't discard/ but keep them for a rainy day." Im Tarot wäre Joanna Newsom dann wohl die Hohepriesterin.

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