Du möchtest keine Anzeigen sehen? Führe jetzt das Upgrade durch

MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2013

Das Jahr war SUPER. Mehr fällt mir erstmal nicht ein. Also fangen wir an mit meinem liebsten Musikvideo, passt auch gut in die Jahreszeit, laut mitsingen bitte:

„…woll'n unser Leben zurück
und hol'n es Stück für Stück,
Wir haben euch grad noch gefehlt,
Was bitte heißt schon verrückt?“

http://www.youtube.com/watch?v=1PMjtiE5gO4

Geil! Und hier das ALBUM DES JAHRES, denn es ist sehr gut:

Blackbird Raum – False Weavers
http://f0.bcbits.com/img/a0576321578_2.jpg
Meine beste Neuentdeckung 2012 mit ihrem neuen Album und einer dreimonatigen Europatour, während der sie mir im AKZ Recklinghausen eins der ergreifendsten Konzerte meines Lebens und endlich eine neue Brille beschert haben. Es handelt sich um Öko-Anarcho-Punks aus Kalifornien, die mit der Zeit immer trauriger geworden sind, weil das ganze Haus- und Baumbesetzen zwar Spaß macht, die Welt aber trotzdem stetig den Bach runtergeht. Diesen Kummer spürt man auf „False Weavers“, ohne dass das Album irgendwie depressiv wäre, und das ist – neben den unfassbar schönen Melodien in den perfekt arrangierten Liedern und der rührenden Authentizität – das, was mich daran wohl am meisten begeistert: Punk halt.

Ganze NEUNZEHN weitere Platten haben es außerdem dieses Jahr in die Ruhmeshalle meines last.fm-Blogs geschafft. Und zwar diese:

Käfer K – Zu verwerfende Pläne
http://ecx.images-amazon.com/images/I/6162J1cd5DL._SL500_AA240_.jpg
Okay, das sind bestimmt junge Germaninistik-Studenten, und sie kommen sogar aus Münster, aber es hat ja niemand jungen Germanistik-Studenten aus Münster verboten, gute Musik zu machen. Weiß gar nicht mehr, warum ich mir das überhaupt angehört habe, aber es hat sich gelohnt, denn Käfer K machen Musik, die ich so noch nirgendwo anders gehört habe. Weshalb ich auch gar nicht verstehe, wieso die immer in die Emopunk-Schublade gesteckt werden, das ist nämlich eher so Prog-Emo, bei dem jede Note und jedes Wort perfekt sitzen, so dass tatsächlich tiefsitzende Gefühle und Erinnerungen hochkommen; es gibt auf der Platte bei einer Spielzeit von nicht mal einer halben Stunde mindestens drei Lieder, bei denen ich Pipi in den Augen kriege. Das hat sonst noch niemand geschafft. Hier noch das harmloseste davon (mit tollem Video):

http://www.youtube.com/watch?v=yU9KS1xHV7A

Wenn alle Augen wieder trocken sind, machen wir uns erstmal ein Bier auf für

Mülheim Asozial – Familie & Beruf
http://muelheimasozial.files.wordpress.com/2012/12/2095_0.jpg%3Fw%3D450
GESTERN REVOLUTION – HEUTE MÜLHEIM ASOZIAL – DAS HASTE NUN DAVON – DENN DIR WAR ALLES SCHEISSEGAL
So im Nachhinein stört mich dann doch, dass da ein Quentchen zuviel Ironie bei ist. Aber man kann die Lieder tatsächlich auch völlig unironisch hören, und dann sind sie am besten, denn dann geht’s sehr treffend darum, dass Familie und Beruf halt meistens ziemlich scheiße sind und Punk und Dosenbier meistens ziemlich geil. Ist halt so. Live war die Band der absolute Knaller, weil auch da eben nicht – wie ich es z.B. schonmal Kotzreiz auslösend bei der Band Kotzreiz erlebt habe – die Ironie im Vordergrund steht, sondern die originale Angepisstheit von der Welt.

Robinson Krause & The Gays Of Thunder – Let's gets happy
http://f0.bcbits.com/img/a2596243824_2.jpg
Robinson Krause machen eigentlich ziemlich unspektakulären Punk, haben sich aber überlegt, das mal sein zu lassen und mit „Let's gets happy“ ein halb-akustisches Meisterwerk einzuspielen. Punk, Ska, Salsa, Jazz, Country, Schlager, schöne Texte zwischen Weltschmerz, Parodie, Gesellschaftskritik und Blödelei, hoher Suchtfaktor, was will man mehr, keine Ahnung, dazu noch ein Plattencover, das ich gerne viermal so groß eingerahmt über mein Bett hängen würde. Geil.

Kommando Sonne-nmilch – You Pay I Fuck
http://punkrockoi.com/wp-content/uploads/2013/05/0514.jpg
Letztes Album der aktuellen Rachut/Ness-Band, wobei die nächste ja zum Glück schon in den Startlöchern steht. Zwar sind mir irgendwie zu viele Lieder übers Altwerden und Sterben da drauf (meine Güte, man stirbt halt irgendwann, scheiß drauf!), aber natürlich ist jedes ein Hit, und natürlich sind die Herren auch schon ca. 60 Jahre alt. Habe vier Konzerte der Abschiedstour gesehen, u.a. auch die letzten beiden, beim Vorletzten sprang ich die Lieder mitschreiend wie ein Flummi durchs Publikum, und beim letzten hatte ich plötzlich was im Auge, als tatsächlich Suse/Yvon Jansen auftrat und u.a. „Braune Engel“ vom überaus genialen 2003er-Album „Der Specht baut keine Häuser mehr“ sang. Perfektes Wochenende.

Mann kackt sich in die Hose – Karibik
http://f0.bcbits.com/img/a0457194167_2.jpg
Junge Leute gibt’s zum Glück aber ja auch, u.a. diese hier, frisch aus meiner Hood in die Herzen der Kaputten und zum Glück kein Doom oder Black-Metal-Core oder so ein Scheiß. Wobei ich die Platte mit Sicherheit auch geil fände, wenn sie aus Hintertupfingen käme. Ist einfach zu gut! Hier ein paar weitere Eindrücke: http://www.bierschinken.net/platten/review.php?id=1312&title=mann_kackt_sich_in_die_hose_-_karibik Bald sehe ich sie endlich live, sollen ja ganz geil sein!

The Jim Tablowski Experience
http://f0.bcbits.com/img/a3782494174_2.jpg
Spielen auch live: The Jim Tablowski Experience, z.B. im Sommer im Rahmen eines spontanen Proberaumkonzerts; ich erwarte, zwischen der gesamten explodierenden Szeneprominenz in einer schimmeligen Ecke stehen zu müssen, und am Ende sitze ich neben den drei weiteren Besuchern auf einer Couch und lasse mir von den jungen Herren vor mir ein paar meiner Top-Hits des Jahres, erschienen auf einer 7"-Single, vorspielen. Beste!! Der hier gehört noch nicht dazu, erscheint dann nächstes Jahr auf Platte, aber Video gibt’s schon:

http://www.youtube.com/watch?v=UppNXt5UD98

Tocotronic – Wie wir leben wollen
http://static.universal-music-services.de/asset_new/284995/60/view/c/Wie-Wir-Leben-Wollen.jpg
Als erster Vorsitzender und vermutlich einziges Mitglied des Vereins zur ausschließlichen Huldigung des Tocotronic-Spätwerks (ab „Pure Vernunft darf niemals siegen“) habe ich auch „Wie wir leben wollen“ mit offenen Armen empfangen und Anfang des Jahres rauf und runter gehört. Am schönsten sind die Schunkel-Schlager „Vulgäre Verse“ und „Abschaffen“, aber eigentlich auch alle anderen, es gibt kaum ein besseres Album für den gepflegten Nachmittagskaffee (mit Schuss).

Christian Steiffen – Arbeiter der Liebe
http://c-static.musicload-shop.de/cov/m/230/344/c/f/bmbzc2_6qy2yekmzvavmqokf5qbs2uoxa/arbeiter-der-liebe-christian-steiffen.jpg
Gut, das mag dann noch eine Spur passender sein. Christian Steiffen, der Name ist Programm, live im FZW beim Bierschinken-Fest ein sprudelnder Quell der Freude, ebenso wie auf Platte und ebenso wie übrigens mein Lieblingsfilm des Jahres, Axel Ranischs „Ich fühl mich Disco“, in dem Steiffen eine große Rolle spielt. Vom gleichnamigen Lied gibt es hier eine Live-Version mit Blasorchester (!), die man sich nicht oft genug anschauen kann: http://www.tape.tv/musikvideos/Christian-Steiffen-das-Blasorchester-Borgloh/Ich-fuehl-mich-Disco-Blasorchester-Version Selten wurde das gesellschaftiche Phänomen „Blasorchester“ treffender porträtiert. Ist allerdings auch einfach ein schönes Lied.

Locktender – Kafka
http://f0.bcbits.com/img/a1614694173_2.jpg
Man kann natürlich nicht immer nur deutschsprachiger (Sub-)Kultur huldigen, sondern muss auch mal melancholische Hardcorebands aus Übersee hören, zumal dann, wenn sie Konzeptalben über deutschsprachige Schriftsteller machen, haha! Nein, im Ernst, Locktender haben mit diesem Album endlich die geniale Vorgängerband Men As Trees in puncto Qualität eingeholt. Vor allem das zweite Lied („remember when we used to be vibrant…“) ist so schön, dass es kracht.

Anteater – Oxygen
http://f0.bcbits.com/img/a3222413939_2.jpg
DIY-Hardcorebands gibt es hierzulande ja auch wie Sand am Meer, meistens finde ich sie ganz nett, manche finde ich live auch brillant (Svffer z.B.), aber auf Platte eher mau. Anteater sind da eine Ausnahme, deren Debüt überzeugt mich komplett und lief bei mir ständig. Schön songorientiert, druckvoller, aber irgendwie „sanfter“ Klang, gute Texte. So muss das.

Sangre de Muerdago - Deixademe Morrer no Bosque
http://f0.bcbits.com/img/a1783735154_2.jpg
Jetzt ist es soweit, es gibt nicht nur die ersten „linken“ Black-Metal-Bands, nein, auch der Neofolk-Bereich kann mit was „linkem“ aufwarten. Wobei das natürlich inhaltlich hier wie da lediglich bedeutet, dass es keine Nazis oder Rechtskonservative sind, die hier die Zerstörung der menschlichen Zivilisation und die Rückkehr zur Natur fordern, sondern eben Öko-Anarchos. Die Spanier Sangre de Muerdago spielen sehr atmosphärischen ruhigen Folk, bei dem sich zuerst zwar jedes Lied gleich anhört, der aber dann schnell süchtig macht.

http://www.youtube.com/watch?v=yvfzwu3Exr4

Zum Runterkommen bitte hier klicken.

Anais Mitchell & Jefferson Hamer – Child Ballads
http://greenmanreview.com/wp-content/uploads/2013/03/cover-square1-300x300.jpg
Die „Child Ballads“ sind ein Kompendium englischer Folk-Songs, mehrere hundert sind da drin, und zwei Leute, von denen ich sonst überhaupt nichts weiß, haben sieben davon interpretiert und aufgenommen und damit die internationale Folk-Szene erfreut. Mich auch. Ein Lied davon ist übrigens die Vorlage zum alten Bots-Superhit „Was wollen wir trinken“ - wusst ich auch noch nicht! Trinken will ich zu diesem Album jedenfalls Tee, dazu gibt’s Kekse, und draußen stürmt's und schneit's. Wunderschön, aber leider viel zu kurz, hätten die andern 300 Lieder ruhig auch noch machen können.

Die Shitlers – Früher haben die Nazis Power gemacht, heute machen wir Power
https://i2.sndcdn.com/artworks-000059107280-mij16z-t200x200.jpg?d53bf9f
Die Shitlers gehören zur Speerspitze des deutschsprachigen Intellektuellen-Punk. Sie machen ihr Ding, glauben an sich, bleiben sich treu. Manche Textzeile ist zu hoch für den ein oder anderen, kommt vor, es sind Akademiker. Die Shitlers haben einen oberaffengeilen Top-Hit auf dieser EP und ein Video dazu gedreht:

http://www.youtube.com/watch?v=ZSRuPfbYHnQ
Kennengelernt habe ich Die Shitlers im Mai, als Vorband von Chefdenker. Da wurde der ein oder andere Witz aus dem Ärmel geschüttelt, so dass mir gleich auffiel, wie herbe cool die Band ist. Ein denkwürdiger Abend, aus dem mehrere intensive Facebook-Freundschaften entstanden sind. Weiter so, lasst euch nicht unterkriegen, macht weiter euer Ding!

Freiburg – Aufbruch
http://www.cargo-records.de/cover/00059650.jpg
Das Lied „Freiburg“ von Tocotronic kannte ich überhaupt nicht, als die Band Freiburg es mir live vorspielte (weil, s.o.), aber es klang schon ziemlich geil, ebenso wie die eigenen Lieder von Freiburg. Was ich erstaunlich finde. Eigentlich müsste ich die Band hassen, weil ich alles andere von This Charming Man Records auch eher öde finde, da zu bemüht künstlerisch wertvoll und hip, aber ich tue es nicht. Ist das nicht toll?

NinaMarie – Feuer in der Nachbarschaft
http://www.hoererlebnis.de/images/review/ninamarie-feuer_in_der_nachbarschaft-2013.jpg
Ich fand Marten Ebsens Nebenprojekte immer schon besser als Turbostaat, und so sprang ich begeistert im Rechteck, als endlich eine neue NinaMarie-Platte angekündigt wurde. Hat in keiner Weise enttäuscht: sechs komplett unterschiedliche Lieder, die dennoch als Ganzes zusammen wirken und so schön sind wie nur was. Jetzt muss Marten nur noch mal was Neues von Lattekohlertor veröffentlichen, und dieser ganze Turbostaat-Quatsch ist verziehen.

Love A – Irgendwie
http://www.hoererlebnis.de/images/review/love-a-irgendwie-2013.jpg
Albumtitelvorschlag für's nächste Mal: „Immerhin“. Denn Love A, die das Kunststück vollbracht haben, binnen 15 Monaten in Dortmund auftrittstechnisch vom UntenLinx in die Visions-Redaktion aufzusteigen, werden bestimmt demnächst total uncool, bleiben aber irgendwie doch gut. Immerhin! Eigentlich können die auchgar nichts falsch machen, einfach weiter tragikomische Geschichten von Verlierern und Gefühlen und so erzählen, dazu live Bier übern Kopf kippen, passt.

Angizia – Des Winters finsterer Gesell
http://userserve-ak.last.fm/serve/300x300/88164367.jpg
Irres Musiktheater aus Österreich über einen fiesen Mörder, der durch den Wald stapft: Ebenso wie das 2011 leider von mir sträflich übergangene Werk „Kokon“ der perfekte Soundtrack zum FIFA-Spielen! Angizia sind ein Phänomen: In den 90ern als skurriles Ein-Mann-Projekt, das ein dilletantisch-albernes Album nach dem Andern rausgehauen hat, das Gespött der kompletten Metal-Szene; mittlerweile (seit „39 Jahre für den Leierkastenmann“ von 2002) ein äußerst ambitioniertes Projekt, das in Eigenregie regelmäßig hervorragende Musik mit sehr interessanten Texten hervorbringt. Dazu noch Superstars in Lateinamerika, wobei bisher noch niemand herausgefunden hat, wie es dazu kommen konnte.

Resurrectionists/The Gentle Art Of Chokin
http://f0.bcbits.com/img/a1179375823_2.jpg
Pünktlich zur Weihnachtszeit lege ich mir auch mal was harmonisches auf und schaue aus dem Fenster (s.o.). Dann schaue ich zurück auf den Bildschirm, lese irgendwas im Internet und möchte die Panzer in Stellung bringen. Da ich keine Panzer habe, muss es diese Split-LP richten. Sie schafft es natürlich nicht. Was soll sie auch schaffen. Was soll man eigentlich überhaupt schaffen? Ach, scheiß drauf.

Kapelle Petra – Internationale Hits
http://akkordarbeit.files.wordpress.com/2013/08/kapellepetra_internationalehits.png?w=600
Ich glaube, Kapelle Petra haben 2013 jeden Monat getourt. Sehr beeindruckend. Und ich hab kein einziges Konzert gesehen, weil ich immer irgendwie nicht konnte. Und, na ja, weil „Internationale Hits“ mich im Gegensatz zum vor trockener Tragikomik nur so strotzenden 2008er-Vorgänger "Stadtranderholung" dann doch ein bisschen enttäuscht hat. Ich kann natürlich nicht in Worte fassen, warum, weil ich mir auf den ganzen anderen Konzerten, die ich dieses Jahr besucht hab, das Hirn weggesoffen habe, aber irgendwas fehlt. Egal.

—-
Was zum Glück nicht fehlt, ist das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, "ein Kind im Dreck spielend, im Matsch, das ein paar gute Freunde hat" (Stefan Flanders), find ich gut, das Bild, denn Kitsch ist Kunst; vor allem aber deshalb, weil 2013 hier in Sachen Konzerten und coolen Leuten doch einiges passiert ist, und weil das gemeinsame Lachen nicht verlernt wurde; das ist nämlich viel mehr wert als der ganze andere Scheiß.

Und jetzt aber bitte wieder über Fußball reden: 2013 wird auch deshalb in die Geschichte eingehen, weil ich meine vor dreizehn Jahren aufgegebene Passion für Fußball-Videospiele neu entfacht, mich selber auf den Platz gestellt und kaum ein Spiel des - wie man neulich mal wieder festgestellt hat - geilsten Clubs der Welt, ROT-WEISS AHLEN, verpasst habe. Jetzt ist Winterpause. Scheiße.

http://www.youtube.com/watch?v=nr_zMdvi0PM

Nachträge:
Ostara - Paradise Down South
Vâr - No One Dances Quite Like My Brothers
Low Culture - Screens
Finntroll - Blodsvept
CRUSADES - PERHAPS YOU DELIVER THIS JUDGMENT WITH GREATER FEAR THAN I RECEIVE IT
The Manx - Blood Chronicles

Du möchtest keine Anzeigen sehen? Führe jetzt das Upgrade durch

API Calls

Von Spotify scrobbeln?

Verbinde deine Spotify- und Last.fm-Konten, um deine gehörten Inhalte von jeder Spotify-App auf jedem Gerät und jeder Plattform zu scrobbeln.

Mit Spotify verbinden

Verwerfen