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Biografie

VINEGAR aus Köln gehörten zu den Vertretern des progressiven Rock in Deutschland.

Im November 1968 traf Wolfgang Grahn (*1950 in Betzdorf an der Sieg) auf Jochen Biemann und Bernhard Liesegang (*1949 in Bassum bei Bremen), die, von der selben Schule kommend wie er, inzwischen schon an der Uni waren. Die drei beschlossen, als Gruppe zu spielen. Zwar waren ihre Fähigkeiten damals noch gering, doch brachten sie sich das Notwendige selbst bei. Wolfgang Grahn übernahm das Schlagzeug, Jochen die Gitarre, Bernhard Liesegang Bass und Gesang. Besonders in der Anfangszeit der Gruppe tauschten Bernhard und Jochen bei einzelnen Stücken ihre Instrumente auch gegeneinander aus. Etwas später stieß Dagmar Dormagen hinzu, eine Freundin von Wolfgang, die bei ihm um die Ecke wohnte. Sie spielte Flöte und sang. Als Gruppennamen wählten sie Vinegar (Essig), denn sie wollten schwer verdauliche Musik spielen, kein süßliches Zeug. Einige weitere Leute waren nur kurzzeitig und lose dabei, bis Ende 1969 Rolf Zwirner an der Gitarre und Violine und Ralf Modrow (*1951 in Halle an der Saale) an der Orgel und als weiterer Sänger hinzukamen. Damit stand die endgültige Besetzung von Vinegar fest. Der Übungsraum lag im Haus von Bernhard Liesegangs Eltern.

Am 11.10.1970 traten sie zusammen mit anderen Gruppen aus dem Kölner Raum beim “Pop-Festival im Action-Center” auf der Photokina Messe, Köln-Deutz, Halle 14 auf und kamen beim dortigen Wettbewerb auf den dritten Rang. Unter den Zuhörern war auch Günter Purrmann, Sohn des Verlagsinhabers Werner Purrmann aus Unterjesingen bei Tübingen. Der Verleger war so begeistert von ihnen, dass er sie zu Plattenaufnahmen einlud. Diese fanden am 9.1.1971 im Studio Rottenburg statt, unter Leitung von Kurt Schuh. Die fünf Stücke, die gemeinsam im Proberaum aus den Ideen der einzelnen Gruppenmitglieder entwickelt worden waren, wurden noch im gleichen Jahr als LP “vinegar” (Phono Verlag WP 710101 / Resco TST 76992) veröffentlicht, in einer Auflage von 1000 Stück, gefertigt vom Presswerk der Teldec Hamburg. Die Verlagsrechte lagen beim inzwischen verstorbenen Werner Purrmann.
Die von der Gruppe gestaltete Hülle zeigt als siebentes Mitglied den geheimnisvollen Ambrosius Gulbatscher, einen selbst gefertigten Wichtel, der im Hause der Liesegangs auf der Treppe zum ersten Stockwerk lebte. Durch seinen aufreizenden Charme hatte er es in kürzester Zeit geschafft, zu den sieben ständigen Mitgliedern von Vinegar zu gehören.

Die fünf Stücke der Langspielplatte sind in der Tat nicht leicht zugänglich. Sie erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören. Noch im gleichen Jahr war es mit Vinegar vorbei. Der Grund waren unterschiedliche Auffassungen über die weitere musikalische Entwicklung.

Wolfgang Grahn spielte anschließend Jazzrock, Bernhard Liesegang sammelte Erfahrungen mit verschiedenen Musikrichtungen in anderen Band-Formationen, Ralf Modrow ging zunächst bei Maharishi Mahesh Yogi in die Lehre und war danach einige Zeit als Meditationslehrer tätig. Nachdem er in den letzten Jahren wieder in verschiedenen Bands als Keyboarder aktiv war, arbeitet Ralf zur Zeit an eigenen Musikprojekten. Dagmar Dormagen kam 1974 auf tragische Weise ums Leben. Ihrem Andenken haben die Künstler die Wiederveröffentlichung der LP gewidmet, die mittlerweile als CD mit einer Startauflage von 1000 Stück bei Garden of Delights erfolgt ist.
Ralf Modrow erinnert sich: „Das war schon eine ziemlich verrückte Zeit damals. Samstags war Proben im Keller der Liesegangs angesagt. Rolf und Jochen entlockten ihren selbstgebauten Verzerrern, die, soweit ich mich erinnere, in Holzkistchen oder Blechdosen eingebaut waren, immer neue Klangvarianten. Wollte man etwas daran verstellen, brauchte man hierfür einen Schraubenzieher. Aus meiner selbst zusammengelöteten Dr.-Böhm-Orgel ertönte, je nach Stellung der Register und Lautstärkeregler, gelegentlich und unvorhersehbar ein in der Nähe gelegener Mittelwellensender. Darunter mischten sich dann Wolfgangs filigrane Schlagzeugfiguren und der Gesang von Dagmar, deren Stimme mich, wenn ich sie heute höre, immer etwas an die von Nico erinnert, die ich ebenfalls sehr schätze. Wenn Bernhard nicht gerade am Bass arbeitete, blies er auch schon mal auf einem Waldhorn und rundete hiermit das ganze Klang-Geschehen auf eine sehr individuelle Weise ab.

Mitunter standen auch gemeinsame Unternehmungen auf dem Plan, zum Beispiel ein Ausflug in den nahegelegenen Königsforst, wo wir, mit einem Uher-Report-Tonbandgerät bewaffnet, das Konzert der Frösche in einem versteckten Tümpel aufnahmen oder eine Fahrt zu Kohlensäurequellen in der Vulkaneifel. Auf Bildern aus dieser Zeit kann man einzelne Vinegar-Mitglieder auf riesigen Stahlhalbkugeln herumklettern sehen. Diese waren dort aufgestellt worden, um die aus dem Boden ausströmende Kohlensäure aufzufangen und vermittelten durch ihr Aussehen und die Art ihrer Anordnung den Eindruck einer Station auf dem Mars.

Die LP ist übrigens 1971 weitgehend live eingespielt worden. Lediglich der Gesang und einige Soloparts wurden im Playback-Verfahren aufgenommen. Nach meiner Erinnerung fuhren wir am Morgen des 9. Januar 1971 in Köln los und mittags begannen dann im Studio Rottenburg die Aufnahmen, die bis gegen ca. 23 Uhr dauerten. Ich glaube, Dagmars Blockflöten-Solo ist dann am nächsten Morgen noch einmal eingespielt worden, ansonsten blieb für Nachbesserungen keine Zeit. Möge der geneigte Zuhörer in Anbetracht dieser Umstände also über die eine oder andere Unzulänglichkeit der Aufnahmen hinweghören: „Just lean back and enjoy!““

Uns erreichte die traurige Nachricht, dass am 10.11.2011 unser Schlagzeuger und Gründungsmitglied Wolfgang Grahn verstorben ist. In den letzten Jahren seines Lebens hatte er sich intensiv dem Studium und der Lehre des Gälischen gewidmet. Sowohl seine Texte als auch seine musikalischen Einflüsse haben die Stücke von Vinegar wesentlich geprägt. Wolfgang, bis dann!

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