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Vor der Bühne sind Menschen. Sie feiern, hüpfen und schubsen sich. Ihre Augen glänzen, ihre Gesichter strahlen. Dann schreien und jubeln sie. Und hüpfen schließlich noch ein bißchen. Man guckt und sieht den alten Kumpel Rock'n'Roll, wie er sich an der eigenen Wuschelfrisur aus dem Schlamassel zieht, ohne auch nur ins Schwitzen zu kommen. Es ist einer dieser Momente, in denen Musik mehr als nur Musik ist. Bloß geht er viel zu schnell vorüber. Ehe man sich versieht, ist man 40 Minuten älter und 40 Mark ärmer. Aber auch um eine unsterbliche, unbezahlbare Erfahrung reicher. 2001 war das. Und schon damals ziemlich unheimlich.

Zwei Jahre später haben die Dinge rund um die Strokes längst ungesunde Ausmaße angenommen. Die Band bräuchte Urlaub, ist geschafft von endlosen Tourneen und andauerndem Medieninteresse. Verständnis gibt es dafür natürlich keines. Die Welt will ein neues Album von den Strokes, und da interessiert es dann auch nicht weiter, daß die Strokes von der Welt vor allem ihre Ruhe wollen. Julian Casablancas muß wieder ran. Muß "Is this it" toppen. Und soll es ja nicht wagen, zu scheitern. Was die Sache natürlich kaum leichter macht. Vor allem, wenn sich besagte Welt sogleich wieder das Maul über einen zerreißt. Wird der neue Kram anders klingen? Wäre das ratsam? Und hat der songschreibende Stroke überhaupt eine Chance?

Das Erstaunlichste an "Room on fire" ist nicht etwa, daß es dem gleichen Konzept wie sein Vorgänger folgt, sondern daß das alte Konzept ein zweites Mal ziemlich prächtig aufgeht. Kleine Racker von Rocksongs werden mit euphorischer Bocklosigkeit vorgetragen, Albert Hammond Jr. und Nick Valensi vernähen ihre simplen Gitarrenfiguren zu grundguten Melodien, und Julian Casablancas singt wieder, als sitze er in einem dieser unergründlich tiefen Sofas, aus denen man alleine gar nicht mehr rauskommt. Dann zieht der unbeirrbare Bassist Nikolai Fraiture plötzlich das Tempo an, Fab Moretti scheppert ein bißchen deftiger auf seinem Schlagzeug rum, und Casablancas' Stimme kippt seitlich vom Sofa. Schön, Euch wiederzuhören.

Große Überraschungen wird dabei nur erleben, wer mit der Lupe am Ohr zuhört. Die relaxte Single "12:51" spuckt und klatscht zu einem vermeintlichen Fisher-Price-Keyboard in die Hände. "Under control" edelschnulzt sich ein angenehm kitschiges Liebesliedchen zusammen, und der enthusiastische One-way-Rocker "The way it is" kultiviert eine unerwartet harte Gangart. Das lässig aus der Hüfte geschlenzte "Between love & hate" oder der schmissige Rauskegler "I can't win" hingegen kommen mit bekannten Stärken und werfen sich dem Pop auffallend ungeniert an den Hals. Man hat wieder einen ganzen Wohnwagen voller Hits beisammen.

Daß "Room on fire" trotzdem viele Menschen enttäuschen wird, verdankt es seinem übermenschlich guten Vorgänger. Natürlich rockt man sich hier aufs Charmanteste den Staub von den Chucks. Und natürlich würden andere Bands für einen Song wie "Reptilia" bedingungslos ihre Mamas verpfänden. Aber an "Is this it" kommt das neue Album nun mal nicht vorbei. Diesmal ist es eben einfach nur Musik. Wenn auch ziemlich gute. Wer genau das von den Strokes erwartet hat, wird mit "Room on fire" dann auch prima klarkommen. Nur, wer hat das schon?

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