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Biografie

  • Geburtstag

    15. März 1959 (59 Jahre alt)

  • Geboren in

    Schwanenstadt, Oberösterreich, Österreich

Peter Ablinger, geboren am 15. März 1959 in Schwanenstadt/Österreich. 1974-76 belegte er ein Graphikstudium in Linz. Begeistert für den Free Jazz studierte er von 1977-79 Jazz-Klavier an der Musikhochschule Graz. 1979-82 nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Gösta Neuwirth in Graz, und bei Roman Haubenstock-Ramati an der Musikhochschule Wien.
"Als ich das Gymnasium unterbrochen hatte, landete ich erst mal auf einer Graphikschule. Es war beides da damals: Ich habe Jazz gespielt und Bilder gemalt. Entschieden hat es sich, als ich gemerkt habe, daß ich alles, was ich in der Kunst gelernt habe, auf die Musik übertragen habe. Das Lernen ging vom Optischen zum Klanglichen, nicht umgekehrt. Das war der Grund, die Graphikschule abzubrechen. Man kann sagen, daß lange Zeit das erste, was ich von einer musikalischen Idee festhalten konnte, etwas Bildhaftes war, ein paar Striche auf dem Papier, keine Noten. Ein bildhaftes Symbol für eine Intenstität vielleicht. Aber so wie vorher schon die Begriffe, gingen mir dann auch die Bilder aus. Es blieb nur mehr der Klang übrig, oder etwas, das noch irrealer ist als Klang. "Klang" war nicht einfach Musik in ihrem zeitlichen Verlauf für mich, sondern etwas, das sich in einem Moment zeigt. Die zeitliche Entfaltung ist dabei eher etwas Zwangsläufiges, Unvermeidliches. Mein Interesse gehört aber dem Ganzen, das sich in einem Moment darstellt…" (Peter Ablinger in einem Interview mit Markus Fein)

Seit 1982 lebt Ablinger in Berlin, wo er bis 1990 an der Musikschule Kreuzberg unterrichtete und seitdem als freischaffender Komponist tätig ist. 1988 gründete er das Ensemble Zwischentöne, das er bis 2007 leitete und das von Anfang an aus einer Mischung aus Laien und Profis bestand, einer Konstellation, die emblematisch für die Ensemblearbeit und mehr und mehr zu einer Infragestellung falscher Professionalität und Routine wurde. Unzählige Uraufführungen von verwandte Fragen stellenden KomponistInnen wie Christian Wolff, Maria de Alvear, Antoine Beuger, Sven-Åke Johansson, Christina Kubisch, Alvin Lucier, Benedict Mason, Georg Nussbaumer, Pauline Oliveros, Akio Suzuki, etc. erzählen geradezu von einer parallelen, einer anderen Geschichte der Neuen Musik.

Seit 1992 war Ablinger immer wieder als Gastprofessor und Dozent an verschiedenen Universitäten und Instituten tätig. In den letzten Jahren gab es wiederholt Einladungen von US-amerikanischen Universiäten wie der Columbia University New York City, dem BARD College, der Manhattan School of Music, in Yale und Harvard/Cambridge. 2012-2017 war er Research Professor an der Universität Huddersfield. Aber auch die ausser-institutionelle Arbeit mit jungen KomponistInnen, die sich privat an Ablinger wenden, nimmt zu. Einem von ihnen, Bill Dietz, hat er 2007 die Leitung des Ensemble Zwischentöne übergeben.

Neben seiner kompositorischen Tätigkeit initiierte und leitete er etliche Festivals, u.a. die Klangwerkstatt 1990-1992, 1997 Insel Musik, 1998 Zehn Jahre Zwischentöne, 1999 Musik für Orte 1-3.

Gemeinsam mit Bernhard Lang, Klaus Lang, Nader Mashayekhi gründete er den Verlag ZEITVERTRIEB WIEN BERLIN, der über konventionelle Musikverlage hinausreichend, als Antwort auf die veränderten Normen des Werkbegriffs, der Aufführungssituation, der Notation, der Instrumentenbehandlung, des Instrumentenbaus und der Wahrnehmung selbst verstanden werden kann.

An Preisen und Auszeichnungen erhielt er u.a. 1998 den Förderpreis der Akademie der Künste Berlin, 2001 ein Stipendium der Villa Aurora Los Angeles, 2008 den Andrzej-Dobrowolski-Kompositionspreis für das Lebenswerk, 2010 den Deutschen Klangkunstpreis und 2011 den Ad Libitum Kompositionspreis.

2012 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin ernannt. Im selben Jahr wurde das 'Peter-Ablinger-Archiv' der Akademie der Künste Berlin eröffnet. Ebenfalls seit 2012 ist er Research Professor an der Universität Huddersfield.

Ablingers Werke wurden bei unzähligen Festivals weltweit aufgeführt, u.a. bei: Wien Modern (Personale 2008), Donaueschinger Musiktage (1997,2000,2003,2010), Los Angeles resistance fluctuation (1998), Huddersfield Contemporary Music Festival (2003,2005,2010), Teatro Colón Buenos Aires (Personale 2005), Happy Days Oslo (Personale 2005), Holland Festival Amsterdam (Portrait 2007), La Biennale di Venezia (2007), Carnegie Hall New York (2007), Plus Minus Portrait London (2008), Wet Ink Portrait Series New York (2009), Philharmonie Luxemburg (Personale 2009), SPOR Festival Denmark (Personale 2010), Mostra Sonora in Sueca und Time of Music Viitasaari (jeweils Composer in Residence 2013), Philharmonie Köln, Konzerthaus Wien und Concertgebouw Amsterdam (jeweils Installationsoper 2015).

Seine Werke mit Installationscharakter wurden u.a. an folgenden Orten präsentiert: Offenes Kulturhaus Linz, Diözesanmuseum Köln, Santa Monica Museum of the Arts, Kunsthalle Karlsplatz Wien, Akademie der Künste Berlin, Kunsthaus Graz, Ostseebienale der Klangkunst, Kunsthalle Rostock, MAK Wien und Haus am Waldsee Berlin (jeweils Retrospektive 2008), Tina B Praha, Matadero Madrid, MuHKA Antwerpen, SoundART Köln, Museum für Gestaltung Zürich (Personale 2012), ZKM Karlsruhe, Deutsches Museum München, Shalman Art Gallery Tehran, Haniqah Sarajevo (Personale 2014), Shanghai Biennale, Architekturmuseum Basel

Einspielungen seiner Werke liegen auf über 40 CD-Veröffentlichungen vor. (Auswahl): Extraplatte 1998, Durian Records 1998,2003, col legno 1998,2002,2004, hat(now)Art 2000, Kairos 2000,2009, World Edition 2002,2014, Los Angeles River Records 2003, Mode Records 2009, God Records 2012,2013, Subrosa 2013, Edition Wandelweiser 2014, Sacred Realism 2016.

Peter Ablinger schafft musikalische Situationen, in denen die Wahrnehmungsfähigkeit des Hörers oft stark unter- oder überfordert wird, um ihn dazu anzuregen, seine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Wirklichkeit zu schärfen. Die Eintonkomposition Ohne Titel/2 Klarinetten (1993) versteht Ablinger weniger als Stück denn als eine Art "architektonischen Eingriff", der den Raum, in dem man sich befindet, verändert und dadurch bewusst macht, dass der gleiche Ton niemals der gleiche ist. Durch das Sich-Aufhalten an dieser feinen Grenze wird "Anwesenheit" (unmittelbares Im Augenblick-Sein) wahrscheinlich gemacht. Bisweilen erinnert Ablingers Musik mit ihrem Anliegen, reine Gegenwart erfahrbar zu machen, an spirituelle Übungen: In Exercitium 1-6 für Gitarre (1997) werden alle Saiten der Gitarre sukzessive so hoch gestimmt, bis sie reissen. Die musikalische Situation ist bis zum äußersten "gespannt", da jederzeit der Augenblick des "Jetzt", des Reissens der Saite, stattfinden kann.

Ablingers Werk gliedert sich in mehrere parallele Zyklen. Neben einer Reihe rein instrumentaler Stücke bis zu 25 Spielern (Der Regen, das Glas, das Lachen, 1994) beschäftigte ihn bereits seit 1980 eine Werkreihe mit dem Titel Weiss/weisslich (bislang 36 Teile). Charakteristisch für die Stücke des Zyklus ist, dass sie sich nicht auf eine bestimmte Verfahrensweise festlegen lassen, obwohl manche Teile fast an musikalische "Ready-mades" erinnern, bei denen der Komponist neben der Auswahl der musikalischen Situationen auf jede weitere Bearbeitung verzichtet. Einige der sogenannten "Hinweisstücke" bestehen sogar lediglich aus ihrem Titel (z. B. Weiss/weisslich 9a: Windweg: Gehen, und den Wind hören; Weiss/weisslich 19: Hand hinters Ohr halten/wegnehmen). Die Komposition von Eintonstücken zu Beginn der 1990er Jahre (z.B. anfangen(:aufhören), 1991, oder Ohne Titel/14 Instrumentalisten, 1992) führte ihn zum entgegengesetzten Extrem: dem Experimentieren mit der Gleichzeitigkeit aller Töne, die sich im weißen Rauschen manifestiert (Zyklus Instrumente und Rauschen (seit 1995)). Zur selben Zeit begann er mit seiner Reihe Quadraturen. Für Quadraturen IV ("Selbstportrait mit Berlin") (1995-98) wurden verschiedene Mikrofonaufnahmen von Stadtlärm spektral analysiert und - gleichsam grob gerastert - auf Instrumente rückübertragen: der Ensembleklang verhält sich zur "Wirklichkeit" der zugrundeliegenden Aufnahmen als grober Raster, "Musik" und "Wirklichkeit" werden aufeinander bezogen, prinzipiell vergleichbar. Im Zyklus Instrumente und ElektroAkustisch Ortsbezogene Verdichtung (IEAOV) versucht Ablinger, am jeweiligen Ort der Aufführung neu instrumentale Klänge elektroakustisch so weit zu verdichten, dass eine Rausch-Fläche entsteht, die die Zeit in den Augenblick gleichsam "hochklappt". Die Zeit zum "Alles Immer" zu verdichten (schon seit seinen frühesten Werken eine Eigenart vieler Kompositionen Ablingers) mag zwar von visuellen Vorstellungen inspiriert sein. Dennoch will Ablingers Musik nichts außerhalb ihrer selbst repräsentieren oder symbolisieren, sondern sich selbst als schlicht Seiendes zeigen: "Die Klänge sind da, um zu hören ( - nicht um gehört zu werden. Das ist etwas anderes). Und das Hören ist da, um aufzuhören. Mehr weiß ich auch nicht."

Seit 2001 erscheinen vielteilige Serien-Stücke (z.B. Voices and Piano) oder mehrgliedrige Netzwerke, in denen verschiedene musikalische Gattungen, Topoi, Besetzungen miteinander kombiniert sind, z.B. ein Hinweis und ein Instrumentaltrio (Hotel Deutsches Haus), oder eine Installation, ein Elektronik- und ein Orchesterstück (Altar). Vor allem in den beiden Komplexen "Stadtoper Graz" und "Landschaftsoper Ulrichsberg" enstehen vielschichtige Organismen, die über Gattungsgrenzen hinweg, und von Fragen nach Methode und Stil unabhängig, den Hörer zum Hauptakteur erheben, und gleichsam über das Hörbare - und auch das Unhörbare miteinbeziehend - die selbstbehauptete Erfahrbarkeit von Welt herausfordern. (Gerald Resch)

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