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Garden of Delete ist das siebte Studioalbum von Oneohtrix Point Never (Aufnahmen des Electronic Musikers Daniel Lopatin). Das Album erschien am 13. November 2015 via dem Plattenlabel Warp Records.

Lopatins präziser Ansatz an Komposition und Kreation hat ihn zu einem der einflussreichsten und prägnantesten Persönlichkeiten moderner, elektronischer Klanglandschaften gemacht. So arbeitete er für viele Künstler, Regisseure, Musiker und führende Kunstinstitutionen: von Sofia Coppola bis Ariel Kleiman, von Antony & The Johnsons (dessen kommendes Album er produzierte) bis Nine Inch Nails, von der Tate Modern (London) bis zum MoMA (Museum of Modern Art, New York).

Da dem Künstler Oneohtrix Point Never auch immer etwas Geheimnisvolles anhaftet, läuft seine Teaserkampagne mit einer Serie an abstrakten Interviews, Trailern und Soundfiles – so kamen bereits erste Materialschnipsel als MIDI-Dateien in Umlauf.

Selbst im guten alten Maschinenbaustudium wird heute über cyber-physische Systeme doziert, die über das Internet der Dinge sehr bald die Autos allein bauen werden. Da wird es Zeit für die erste cyber-physische Rockplatte, und es überrascht nicht, dass sie von Oneohtrix Point Never kommt. In den einsamen Ecken des Internets wird bereits von Hyper-Grunge und Cybernetik-Rock geschrieben. Für diese Nerds ist die E-Gitarre längst auf ewig erschlafft.

Daniel Lopatin könnte ein Star dieser Bewegung sein, wenn Stars hier überhaupt gefragt sind. Der Mann ist nicht nur visionärer Kopf der Electronica-Szene, sondern besitzt auch Humor: GARDEN OF DELETE hat er in Form eines Interviews zwischen ihm und dem Alien Ezra vorgestellt. Andere Musiker reden von Experimentierlust, wenn sie einen Saxofonisten ins Studio einladen. Wenn Lopatin experimentiert, stellt der Warp-Künstler Hörgewohnheiten auf die Probe.

Die Suche nach Kompromissen, nach stetigem Wandel und das Collagieren verwandter Sounds macht das Album zu einem Brett, das so wunderbar kauzig die Keule schwingt, dass man spürt, wie wichtig beatlose Musik sein kann, die Geschichten anders erzählt und transportiert. Ich wäre gerne mal Mäuschen, um zu sehen, wie viele Spuren Lopatin nicht anschaltet.

Rezension von Spiegel.de

Oneohtrix Point Never - "Garden Of Delete"
(Warp/Rough Trade, seit 13. November)

Wie lange halten Sie es bei ausgeknipstem Licht im Badezimmer aus? Sie stehen im Dunkel am Waschbecken und wissen, dass Ihr Spiegelbild Sie anglotzt, aber sind das wirklich Sie? Oder ein Monster, das sich nur in der absoluten Finsternis offenbart? Und wenn Sie es wirklich sind, dann welche Version? "Ich wollte herausfinden, wie lange ich es im dunklen Bad aushalte, bis ich ausflippe", antwortet Daniel Lopatin in einem Fake-Interview mit dem Alien-Teenager Ezra auf einem eigens für "Garden Of Deletes" eingerichteten Blog. Gefragt wurde nach der Inspiration für "Sticky Drama", einen zentralen Song des neuen Albums des Elektronik-Musikers Lopatin, der sich, in Anlehnung an den Radiosender 106.7 in seinem Heimatbundesstaat Massachussetts, Oneohtrix Point Never nennt.

Gekoppelt mit Badezimmer-Szenarien lässt "Sticky Drama" durchaus auch Assoziationen mit ersten adoleszenten Masturbations-Experimenten zu, bei denen es zumeist klebrig, sticky, zugeht. Alles Teil einer multimedialen Identitäts-Reflexion, die der medienkritische Künstler Jon Rafman mit einem bemerkenswerten Kurzfilm zum Song begleitet (Prolog; "Sticky Drama"-Clip). Darin murksen sich Teenies in Fantasy-Computerspiel-Manier gegenseitig ab und streiten wahlweise um eine niedliche Nerd-Prinzessin oder ein schleimiges Alien-Blobwesen, das eine psychosexuelle Macht zu besitzen scheint. In diesem postmodernen Zeichenstrudel prallt "Star Wars" auf "Black Hole", David Cronenbergs Body-Horror, X-Men- und Anime-Motive. Es ist ein bildhafter Trip in die Jugend von Lopatin, der sich auf "Garden Of Delete", wie er sagt, auf die Suche nach den Resten seiner eigenen Teenager-Persönlichkeit begibt.

Die existierte vorrangig in den Neunzigern, daher ist es kein Wunder, dass Lopatins Musik recht eindeutig Rock-Elemente variiert. Von kybernetischem Rock, von "Cybermetal" oder auch "Hypergrunge" ist im Umfeld des Albums die Rede. Das meint nichts anderes als die Übersetzung von Rock- und Alternative-Metal-Rhythmen und Sounds in einen rein digitalen Zusammenhang, etwa so also, wie sich ein Nirvana- oder Korn-Album für ein Alien anhören würde, nachdem jeglicher Analog-Klang in binäre Echos und Sound-Surrogate zerlegt wurde. Erstaunlich an "Garden Of Delete" ist, dass es trotz dieser Zerhackung zwar fremdartig klingt, aber nie abweisend. Der Emo-Kern des Ausgangsmaterials, der Kitsch und all die Teenage Angst, fand irgendwie seinen Weg in diese intellektuelle Rückspiegelung. In gewisser Weise wird es dadurch sogar zu Lopatins bisher zugänglichstem Album.

Nachdem er sich zuletzt zusammen mit Tim Hecker auf die Suche nach eher sphärischen, biologistischen Ursuppen-Klängen machte, kam er während seiner Tournee mit den Rockbands Nine Inch Nails und Soundgarden auf die Idee für "Garden Of Delete". Gleichzeitig reflektiert er in technoiden Tracks wie "Mutant Standard" auch den aktuellen Stand der vor allem in den USA boomenden EDM-Szene um Produzenten und DJs wie Skrillex, in deren Musik sich Rock-Energie mit Elektro-Beats zu modernen Clubsounds vermischen.

Tanzen wollen wird man zu "Ezra" oder "I Bite Through It" natürlich eher nicht, auch wenn immer wieder scheinbar vertraute Elemente hervorblitzen: ein warmes, aber synthetisches Gitarren-Motiv hier, oder eine poppige Keyboard-Akkordfolge dort, immer wieder Gesangsfetzen, die sofort wieder im Vocoder-Nebel verwehen, begleitet von fragmentarische eingestreuten Thrash-Metal-Riffs aus dem Computer, die so verzerrt werden, dass sie schon wieder Subbass-Attacken sein könnten - eine endlose Salve von Assoziations-Splittern, die in jedes Genre durchschlagen. Wohl nicht umsonst lässt sich der Titel "Garden Of Delete" abgekürzt als GOD lesen: Wie eine göttliche Instanz erhebt sich Lopatin über Stilgrenzen und Geschmacksdogmen, um zur Essenz von Musik, zu ihrem emotionalen Trigger-Moment vorzustoßen.

Dabei wagt er sich weiter auf Pop-Terrain, als man hätte vermuten können. Im Grunde unterscheidet sich sein Ansatz gar nicht so sehr von den Indie-/Mainstream-Hybriden, die Grimes auf ihrem neuen Album "Art Angels" probiert (und daran teilweise scheitert). Lopatin bleibt dem Ambienten und Abstrakten verhaftet und damit in gewisser Weise safe: Vor dem Murks- und Ausverkauf-Vorwurf schützt ihn nicht zuletzt seine mediale Verortung im Avantgarde- und Kunst-Zusammenhang. Den Wert seiner faszinierenden neuen Musik als radikale Versuchsanordnung einer originären Popmusik für das 21. Jahrhundert schmälert das nicht. Offen bleibt, wer nun eigentlich das Alien in der Stickyness des dunklen Badezimmers ist? Das Spiegelbild oder du? (9.2) Andreas Borcholte

Titelliste:

1. "Intro" 0:27
2. "Ezra" 4:26
3. "ECCOJAMC1" 0:32
4. "Sticky Drama" 4:17
5. "SDFK" Daniel Lopatin, Grotus, John Adams 1:27
6. "Mutant Standard" 8:06
7. "Child of Rage" Lopatin, Michael Finnissy 4:52
8. "Animals" 3:54
9. "I Bite Through It" 3:17
10. "Freaky Eyes" Lopatin, Roger Rodier 6:31
11. "Lift" 4:09
12. "No Good" Lopatin, Hans Reichel 3:18

Bonustitel der Japan Ausgabe:

13. "The Knuckleheads" 3:48

Samples:

"ECCOJAMC1" contains a sample of "Solid Air" by John Martyn
"SDFK" contains samples of "Dream in White on White" by John Adams and "Brown" by Grotus
"Mutant Standard" contains a sample of "Funny kids being stupid with nothing better to do" published on
YouTube by user TheDownunderpub
"Child of Rage" contains samples of an interview from the 1990 HBO documentary Child of Rage: A Story of
Abuse, "My Love Is Like a Red Red Rose" by Michael Finnissy and "Cruel When Complete" by Dome
"Freaky Eyes" samples a portion of "Am I Supposed to Let It by Again (Above the Covers)" by Roger Rodier
"No Good" contains a sample of "Return of the Knodler Show" by Hans Reichel

Credits adapted from AllMusic.

Oneohtrix Point Never/Daniel Lopatin – composer, producer, artwork
Paul Corley – additional production, mixing
Dave Kutch – mastering
Sebastian Krüger – photography
Andrew Stasser – design
Beau Thomas – vinyl cut

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