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Spaces ist das siebte Solo-Album des deutschen Musiker und Komponist Nils Frahm. Das Album erschien auf Erased Tapes Records und auch auf Durton Studio am 18. November 2013.

Es ist die alte Frage der Kritik. Wie soll man etwas beschreiben, das aus Gefühlen, Empfindungen und Sinn eine Einheit bildet, die so flüchtig ist, dass sie eigentlich gar nicht da ist? „Spaces“, das neue Album des Berliner Pianisten Nils Frahm, bietet eintausend Möglichkeiten und doch keine. Man könnte daher gehen und sagen, dieser immer leicht schludrig aussehende junge Mann ist auf gutem Wege, einer der bedeutendsten Komponisten der Jetztzeit zu werden, Steve Reich oder Arvo Pärt den Rang abzulaufen. Man könnte über die Schnelligkeit staunen, mit der seine Finger über die Klaviatur huschen. Man könnte sogar sagen, die Virtuosität, sein Gefühl für Melodie und Rhythmus, findet man derzeit kein zweites Mal, und schon gar nicht in der deutschen Szene der Neoklassik. Und wie schön reflexiv er auch noch über seine eigene Musik philosophieren kann! Das alles würde eine Orientierung geben, aber in der Orientierungslosigkeit dürfen solche Beschreibungen keinen Platz haben. Denn Nils Frahm zieht uns in einen kritikimmanenten Mahlstrom aus strengster Verdichtung und schamloser Freiheit. Mal ist da purer Minimalismus („Hammers“, „Over There, It’s Raining“, „Unter – Tristana – Ambre“), mal sich pompös aufschäumende Fantastik („Says“, „For – Peter – Toilet Brushes – More“). Das eine jeweils in Momenten des reinen Klavierklangs, das andere meist, wenn Hallgeräte oder elektronische Synthesizer zum Einsatz kommen.

„Spaces“ ist aus über 30 Live-Mitschnitten der letzten beiden Jahre entstanden. „Ich fühlte mich nicht gut genug, alle Stücke zu meiner Zufriedenheit bei nur einem Konzert zu spielen“, sagt Frahm. Das ganze Material, das mit unterschiedlichen Aufnahmegeräten aufgenommen worden ist – mit Tape Decks, tragbaren Tonbandgeräten oder Mehrspurrekordern –, bearbeitete Frahm in seinem Studio in Berlin. Das Album führt verschiedene Konzertästhetiken in einer Collage zusammen, die ihre Ganzheit nur demjenigen zeigt, der den Charakter ihrer Einzelheiten spürt. Frahm beschreibt das so: „Jeder Raum, in dem ich gespielt habe, hat seine eigene Magie und seinen eigenen Geist.“

Auf „Spaces“ sucht Nils Frahm nach einer Form, das Durcheinander unserer Zeit zu ordnen, weil in jedem Fragment vielleicht doch die Wahrheit stecken könnte – und es doch nicht tut. Wir können jedwede Literatur lesen, die für wichtig gehalten wird, daraus unser Selbstbild in der Welt schraffieren, denn was bleibt es mehr als eine Schraffur? Wir können im unendlichen Panorama der Popmusik nach Orientierung suchen. Wir können noch so viel wissen, konsumieren, sehen, denken und hören. Es wird nicht genügen, wenn wir nicht in der Lage sind, unsere ganze Liebe, Hoffnung und Zerbrechlichkeit in einen einzigen Moment zu legen, um dort, unter einer Lupe betrachtet, die Wahrheit schimmern zu sehen. Das ist die Ontologie von „Spaces“: der Versuch, einen Raum zu schaffen, der uns die unendlichen Farben der Lebendigkeit vor Augen führt, ohne dabei zu verleugnen, dass die Form des Musikalbums nur eine vorläufige ist, so lange, bis die verschiedenen Empfindungen daraus ausbrechen wie ein Schwarm Hornissen, den niemand fassen kann.

Für sein siebtes Solo-Album hat der in Berlin lebende Frahm einen besonderen Weg gewählt. Er hat "Spaces" aus über 30 Live-Mitschnitten der vergangenen zwei Jahre montiert. Weil er ein Live-Album machen wollte, aber nicht daran glaubte, ein perfektes Konzert spielen zu können. Die Herausforderung, die er bei der Bearbeitung der Aufnahmen im Studio zu bewältigen hatte, erklärt er dem Magazin Interview: Er habe sich gefragt, ob es möglich ist, Live-Aufnahmen von der Konzertsituation zu trennen, sie aus dem Kontext zu reißen und so zu arrangieren, dass Menschen sie hören können, wann immer sie wollen. "Bei der Arbeit, beim Putzen, beim Abendessen."

So bleibt „Spaces“ eben ein solches Artefakt, das jeder Kritik erhaben scheint, denn man darf Zeuge werden von einer zerbrechlichen Schönheit, die herumfliegt im Raum wie ein Klang, der mit zarter Wucht zitternd die Kontrolle verliert.

Das Album beweist: Es ist sehr gut möglich. Man kann diese Lieder aber auch ganz bewusst hören, mit voller Konzentration. Dann stößt man hin und wieder auf ein Husten aus dem Publikum oder ein Handyklingeln. Man kann den klanglichen Unterschieden der verschiedenen Räume nachspüren, in denen die Aufnahmen entstanden sind. Die Live-Situation unterstreicht das genialische Talent des 31-Jährigen, seine Musikalität, sein Gefühl für Melodien und Stimmungen. Die ätherischen Klavier-Improvisationen erhalten dadurch einen unscheinbaren Rahmen, der bei den schnelleren, perkussiven, elektronischen Stücken fast verschwindet - bis am Ende ein paar Fetzen Applaus aus den Lautsprechern wehen.

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