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Er singt: "Alles ist in Ordnung, solange ich im Wald stehen darf." Der zugehörige Englischreim ist verboten plump, und die Melodie eigentlich eine Frechheit, derart eingängig ist sie. Wer das Lied einmal gehört hat, trägt es mit sich herum. Auch Domi Schreiber. Ihm flog die Zeile zu, als er mit seiner Gitarre in der Wohnung sass. Einen zugeflogenen Hit lässt man nicht ziehen. Also schreib Schreiber "Everything is good". Auf seinem bemerkenswerten Debüt lässt er das Spieldosenlied sogleich explodieren: Die Stimme scheppert, ein Vorschlaghammerschlagzeug zerquetscht den Ohrwurm. Er überlebt und lächelt unter den berstenden Gitarren hervor. Am Ende hat er einen neuen Freund. Der ist Sekretär und pfeift den nächsten Zuckerwattenpop: "Fear the light", ein Duett für Süssholzgitarre und Schreibmaschine.
Schreiber gelingt mit „Romantic Archeology“ ein starkes Album, weil er seine eingängigen Popsongs geschickt mit überraschenden Arrangements bricht und zugleich weiss, dass die Reduktion eine musikalische Tugend ist. Der erklärte Verehrer von Radiohead („die könnten ins Mikrofon rülpsen, und ich würde die Platte kaufen“) bedient sich souverän in der Musikgeschichte, ohne zu kopieren. Er bleibt ganz bei sich. Beatles-Harmonien versieht er mit einem Schuss Melancholie („Please please me“), mit „Hesitate“ tänzelt er schlaftrunken der Kitschgrenze entlang, ohne sie zu ritzen.

Schreiber, 1973 geboren und im Kaff in der Schweiz aufgewachsen, hat seine Platte in der Stube eingespielt. Brauchte er eine zusätzliche Spur, wandte er sich vertrauensvoll an Freunde. An Matthias Kräutli zum Beispiel. Nicht nur, weil er ihm den unfertigen Song elektronisch nach Hamburg schicken konnte und der Schlagzeuger, sobald es an die Abrechnung ging, zuweilen sagte: „Schon gut.“ Wie er weiss Kräutli genau, wann ein Song nicht mehr als ein Ringo-Starr-Präzisionsgeklopfe braucht.
Dem Kammerpop, der in drei Minuten eine Geschichte erzählt, entflieht Schreiber, indem er Studiotüfteleien wie das phänomenale „Piiteraq“ oder den ausschweifenden „Silence of Love“ zwischen seine zartbitteren Minitaturen schaltet. Obwohl er jetzt die grosse Rockgeste sucht, erdrücken die breit angelegten Arrangements die Melodien nie. Durchhänger sucht man vergebens. Nur „Loops in a Jar“ ist etwas gar lang geraten, und der Titelsong kommt zu spät, um noch zu zünden. Zu bekannt ist seine Bauweise von besseren gelungenen Verwandten wie „Do what you do“ zu Beginn.
Während Schreiber mit seinen in Heimarbeit erarbeiteten Songs zeigt, dass er die erfolgversprechende Mischung aus Radiotauglichkeit und Unverkennbarkeit finden will und bestimmt auch kann, sucht er auf der Bühne das Abenteuer. MyKungFu wird zu Wundertüte; im Duo, mit Gastsängerinnen oder dem kleinen Orchester.
Den Bandnamen MyKungFu hat der Winterthurer übrigens einem erzähltechnisch nicht unbedingt ambitionierten Science-Fiction-Film entnommen. Darin schwingt sich ein uncooler Schwächling zum Helden auf, weil er seinen Gegner an der Tastatur schlägt. „This is my Kung-Fu“, sagt der Programmierer. Domi Schreiber ist zwar ziemlich cool. Einen Schutzschild kann er trotzdem gut gebrauchen: Die Musik ist sein Kung-Fu.

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