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Biografie

  • Geburtstag

    12. Mai 1936 (83 Jahre alt)

  • Geboren in

    Berlin, Deutschland

Klaus Doldinger (* 12. Mai 1936 in Berlin) ist ein deutscher Musiker (Saxophon, zunächst auch Klarinette). Er ist vor allem als Jazzmusiker und als Komponist von Filmmusik bekannt. Seine bekanntesten Werke sind die Titelmusiken zur Serie "Tatort" und zum Film "Das Boot". Er ist Mitglied des künstlerischen Beirates der Union Deutscher Jazzmusiker und Aufsichtsratsmitglied der GEMA.

Biografie

Der Sohn des Diplom-Ingenieurs Erich Doldinger und seiner Ehefrau Ingeborg, geb. Mann, verbringt seine Kindheit 1940 bis 1945 in Wien. Sein Vater war während des Krieges Oberpostdirektor in Russland und flüchtete danach zunächst nach Bayern und dann nach Düsseldorf. Von 1947 bis zum Abitur 1957 besucht Doldinger das Jacobi Gymnasium und ebenfalls ab 1947 mit einem Stipendium das Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf, wo er zunächst Klavier und ab 1952 Klarinette studiert. Während dieser Zeit sammelt er erste Erfahrungen in der Musikbranche, so mit der 1952 von ihm mit Freunden gegründeten Band The Feetwarmers, einer Dixieformation, mit der er 1953 erstmals auftrat und 1955 auch seine erste Plattenaufnahme hat. Zeitweise spielten bei den Feetwarmers auch der Kabarettist Dieter Süverkrüp (Banjo) und gastweise der spätere Minister Manfred Lahnstein Posaune. 1955 gründet er seine eigene Band Oscar's Trio, in Anlehnung an sein großes Vorbild Oscar Peterson. Mit dieser Gruppe gewinnt er den ersten Preis beim Jazzfestival Brüssel, den Coup Sidney Bechet.

Doldinger Quartett

Nach dem Abitur studiert er Musikwissenschaften und Tontechnik und wurde Tonmeister. Nach einem Erfolg mit seiner Version von Muss i denn zum Städele hinaus für eine US Getränkefirma geht er 1960 auf seine erste Auslandstournee in die USA, spielt u.a. mit George Lewis und im Birdland und erhält sogar die Ehrenbürgerwürde von New Orleans. 1961 spielt er Modern Jazz mit US-Expatriates wie Don Ellis, Johnny Griffin, Idrees Sulieman, Kenny Clarke, Donald Byrd und Benny Bailey, 1962 gründet er das Klaus Doldinger Quartett, mit dem er im Jahr darauf seine erste Platte, "Doldinger - Jazz Made in Germany" veröffentlicht, die auch international ein großer Erfolg wird, da hier kein weißer „Cool Jazz“ gespielt wird, sondern Komponenten des Bebop verwendet werden.

Mitglieder in diesem Quartett waren Doldinger, ts; Ingfried Hoffmann, org; Helmut Kandlberger, b; Klaus Weiss, dr. Eine weitere LP mit dieser Besetzung ist "Doldinger live at Blue Note Berlin", 1963 aufgenommen, 1964 veröffentlicht. 1964 unternehmen sie eine erste große Auslandstournee im Auftrag des Goethe-Instituts u.a. nach Marokko, ein Aufenthalt der sein Interesse für afrikanische Musik weckte. Sie spielen beim Festival in Antibes und im „Blue Note“ in Paris.

1965 steigen Klaus Weiss und Helmut Kandlberger aus. An ihre Stelle treten der niederländische Drummer Cees See und Peter Trunk. Verstärkt durch den Gitarristen Attila Zoller nimmt das Quartett die LP "Doldinger in Südamerika" auf. Doldinger ist auf mehreren Stücken auch auf dem Sopransaxophon zu hören und Hoffmann spielt nur auf zwei der zehn Tracks Orgel. 1967 nimmt Doldinger die LP "Doldinger Goes On" auf. Das Quartett aus Doldinger, Hoffmann, Trunk und See wird mit drei weiteren Musikern zum Septett erweitert: Helmut Kandlberger spielt zusätzlich E-Bass, Volker Kriegel zupft die Gitarre und der Belgier Fats Sadi bedient die Percussion.

1968 entsteht die LP "Blues Happening". Die erste Seite ist dem Postbop gewidmet. Neben Doldinger, der Tenor- und Sopransaxophon spielt, wirken Hoffmann, p, Kandlberger, b, und See, dr, mit. Die zweite Seite ist als Suite mit 5 Sätzen konzipiert, die Anleihen sowohl beim gemäßigten Free Jazz als auch bei der Rockmusik macht. Als Gastmusiker wirken (im ersten Satz) eine nicht näher spezifizierte Bläsergruppe mit, sowie Kurt Bong, dr, (im fünften Satz) Joe Quick, gt, Lothar Meid, e-b, und Wolfgang Paap, dr. Hoffmann spielt nur Hammond B3.

Die Doppel-LP "Doldinger - The Ambassador" von 1969 besteht zu einer Hälfte aus Studioaufnahmen, zur anderen Hälfte aus einem live-Mitschnitt im Münchner "domicile". Die Musik ist geprägt von spanischen und maurischen Einflüssen. Das Stück "Sahara", ein Amalgam aus afrikanischer Musik und gemäßigtem Free Jazz von der live-Platte, das schon in dem Stück "Blues Happening" angeklungen war, hinterließ damals bei vielen Doldinger-Fans den größten Eindruck. Doldinger hat es später mit Passport auf den CDs "Talk Back" (1988),Passport Live (2000) und Back To Morocco gecovert.

Motherhood und Passport

Noch im selben Jahr wendet sich Doldinger dem Rock-Jazz resp. der Fusion Music zu. Seine erste Band mit dieser Musik heißt "Motherhood". 1969 und 1970 spielt diese Band zwei LPs ein: "I Feel so Free" und "Doldinger's Motherhood", beide für das Label Liberty.

1971 gründet er dann Passport – mit Udo Lindenberg am Schlagzeug –, mit der er im Jahr darauf das erste von 28 Alben bei Atlantic Records (als erste deutsche Band bei diesem Label) veröffentlicht. Schon mit dem Album Cross-Collateral von 1975 haben sie auch in den USA großen Erfolg, wo die Gruppe als deutsche Antwort auf Weather Report galt.

Im Jahre 2000 trat Klaus Doldinger mit seiner Formation erneut bei mehreren Festivals (u. a. im Rahmen der Kulturarena) auf. 2001 überrascht er die Jazz-Szene mit dem Projekt "RMX". In den Folgejahren spielt Doldinger weltweit (Brasilien, USA, Asien etc.) mit wechselnder Bandbesetzung live oder schreibt Film- und Werbemusiken. 2005 absolvieren Klaus Doldinger und Passport eine ausgiebige Tour durch Marokko ("Passport to Morocco"), nehmen dabei einige einheimische Musiker mit auf die Bühne und die dabei entstandene Fusion aus traditionellen marokkanischen Volksliedelementen und Doldingers Jazzvariationen konnte man auf der im Folgejahr veröffentlichten CD hören.

Im Mai 2006 feierte Doldinger seinen 70. Geburtstag, zu dessen Ehren eine kostenlose Mini-CD "Happy Birthday Klaus" aufgelegt wurde, die er bei seinen Auftritten an Fans und Autogrammjäger verteilt. Die CD "The Best of Doldinger" zeigt anlässlich seines 70. Geburtstages eine Retrospektive der Jahre 1963 bis 1978. Im Frühjahr 2006 beging Doldinger den 35. Bühnengeburtstag von Passport und präsentiert dabei mit Wolfgang Schmid am E-Bass einen Virtuosen der frühen Passport-Tage auf der Bühne.

Filmmusik

Seit 1964 erhielt Klaus Doldinger immer wieder Kompositionsaufträge aus Industrie, Medien- und Werbebranche, Theater, Film und Fernsehen. 1967 erschien seine erste Musik für das Fernsehen - der Trailer zur Einführung des Farbfernsehens. Mit Negresco lieferte er 1968 seinen ersten Soundtrack ab. 1970 schrieb er die Titelmelodie zur Serie Tatort. In den Folgejahren vertonte Doldinger auch eine Reihe von ARD-Tatort-Folgen. Seine Filmmusik zu Das Boot (1981) machte ihn weltweit bekannt. Aus dem selben Jahr stammte seine Titelmelodie zu Ein Fall für zwei. Danach komponierte er die Musik zum Fantasyfilm Die unendliche Geschichte und zur Anwaltsserie Liebling Kreuzberg. Er hat mehr als 50 Tonträger veröffentlicht, rund 2.000 Stücke geschrieben und stand über 4.200 Mal auf Bühnen in rund 50 Ländern.

Sonstiges

Klaus Doldinger ist seit 1960 mit Inge Beck verheiratet und hat drei Kinder, Viola Doldinger, Melanie Doldinger und Nicolas Doldinger. Er lebt seit 1968 in Icking bei München. Doldinger hat seit 1978 ein eigenes Studio (Soundport Studios) bei München.

Doldinger veröffentlichte in den 1960er Jahren Tanz- und Rock-Musik unter dem Pseudonym Paul Nero.

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