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Biografie

Das Kammerflimmer Kollektief macht Musik, die man nicht aufschreiben sollte, weil sonst das Papier verbrennt.

Das zwischen Präzision und Freiheit mäanderde Projekt wurde 1996 von Thomas Weber gegründet, veröffentlichte in unterschiedlichsten Besetzungen bislang sechs Alben und spielt als Trio mit Heike Aumüller und Johannes Frisch Konzerte kreuz & quer über die Landkarten.

In einer lichten Abstellkammer des Oberrheinischen Dichtermuseums in Karlsruhe entstanden Mitte der 90er Jahre mit Old-Skool Equipment und auf einer Überdosis FMP & Wu-Tang die ersten Skizzen zu dem, was später unter dem nom-de-guerre "Kammerflimmer Kollektief" veröffentlicht werden sollte. Das Ergebnis hieß Mäander und erschien 1999 auf dem Weilheimer Label payola. Eine Free Jazz-Simulation mit Pop-Appeal (Melodien!). "Instrumental drones and central european freakouts on violins and reeds. A kind of European down home NoWave" analysierte Matt ffytche in The Wire.

Die anschließende Live-Realisation bestritten Johannes Frisch am Kontrabass; Dietrich Foth an diversen Saxophonen; Heike Wendelin an der Violine; Michael Ströder am Schlagzeug & Anne Vortisch am Synthesizer. Der Ausgangspunkt für die Exkursionen waren die Stücke des ersten Albums, das Ergebnis war eine Konzertreise und ein großes & wildes, freies & schönes Chaos, das dann auch umgehend im Weilheimer Uphon Studio dokumentiert und als CD wiederum auf payola veröffentlicht wurde (Incommunicado, 2000). Felix Klopotek schrieb in Spex: "Es wird der Eindruck vermittelt, das hier mit Konsequenz und Leichtigkeit freier Jazz, ungefähr der Marke Pharaoh Sanders und Cecil McBee anno 1969, in einen Kontext transformiert wird, in dem er auf Pop und Elektronik trifft. Was vom Postrock verhießen wurde, improvisierte Musik jenseits von Genregrenzen zu entwickeln, könnte das Kammerflimmer Kollektief verwirklichen."

Das dritte Album Hysteria erschien 2001 erstmal nur in Japan und den USA und wurde dann aber 2004 auf Quecksilber wiederveröffentlicht. Es war ein Hybrid aus den beiden vorangegangenen Alben: eine Synthese von Solo-Studioarbeit und kollektivem Rausch. Martin Büsser schrieb dazu in testcard: "Mir ist keine bislang bessere Veröffentlichung an der Schnittstelle von Jazz und elektronischer Musik bekannt als diese kurze und zugleich ausgereifteste Platte des Kammerflimmer Kollektiefs. Im Crossover zwischen großer Free Jazz-Tradition (Alan Silva, früher Charlie Haden), Kraut- und Free Form-Rock (Third Ear Band, Neu!) und This Heat'scher Klangverwischung stimmen nicht nur die Bezugspunkte, sondern was viel wichtiger und zugleich so ungemein seltener ist: vor allem deren neuartige, begeisternde Zusammenfügung."

Ingeborg Bachmann schrieb über die Zikaden: "Sie hörten auf zu essen, zu trinken und zu lieben, um immerfort singen zu können." Aber sie singen nicht nur, sondern helfen den Menschen auch die richtigen Töne zu spielen: Cicadidae, das vierte Album, erschien 2003 – wie auch alle weiteren Produktionen seither auf Staubgold. Die Grenzen zwischen analogen und digitalen, akustischen und elektronischen Elementen verschwammen zusehends: Karlsruher Psychedelic stand irgendwo geschrieben. Bandintern gab es auch Änderungen: Michael Ströder & Anne Vortisch waren gegangen; neu dabei: Heike Aumüller (bislang für das Artwork zuständig) am Harmonium & beim soundprocessing & songwriting aktiv und Christopher Brunner an Schlagzeug & Vibraphon. Ulrich Kriest dazu in Intro: "Das Kammerflimmer Kollektief gewährt nach den Entwürfen jetzt einen Blick auf das komplette Bild, es ist eine Collage. Ein profunderes Album werden wir dieses Jahr kaum mehr zu hören bekommen. Zukunftsmusik, schon jetzt realisiert, aus Karlsruhe. Wer hätte das gedacht?" Und Dietmar Dath verfasste schönste liner notes: "Hier ist alles Himmel, aber anders als Herkunft. Oben sind Vögel, die mit dem Kopf nach unten an mehreren Sorten Windverlauf hängen, die man alle nicht untereinander tauschen kann. Die Sonne scheint; aber es ist gar nicht die Sonne: es ist der Mond. Wann eigentlich wurde es Nacht?"

2005 erschien das fünfte Album namens Absencen. Die Samples waren fast verschwunden, nahezu alles war live eingespielt worden und wurde am Rechner zusammengefügt, bearbeitet und arrangiert. Das Sextett in full effect und ergänzt um Martin Siewert (Steel Gitarrist extraordinaire, bekannt u.a. durch seine Arbeiten mit Trapist). "Absencen ist ein aus den verschiedensten transluziden Fäden gewirktes Stück Stoff, dessen uns zugewandte Seite in heiliger Mannigfaltigkeit schimmert, anhand derer wir die abgewandte Rückseite selbst antizipierend konstituieren dürfen.“ (Markus Hablizel) In Spex diagnostizierte Frank Eckert: "Die unmäßige Energie, die in dieser Musik steckt, bricht nicht aus, bleibt immer Ahnung und Andeutung. Die fehlende Explosion, diese unterschwellig bleibende Ekstase, ist zu milder Schwermut geronnen. Dennoch ist die Musik unmittelbar versöhnlich und zugänglich, niemals bitter oder bösartig. Selten war eine Musik so unverschämt reich, so überschäumend, so widerspenstig im Detail und gleichermaßen auch so dunkel, so sentimental, so gefühlig, so unmäßig sehnsüchtig."

Jinx, das sechste Album wurde größtenteils im Electric Avenue Studio in Hamburg von Tobias Levin aufgenommen und ist ein Resultat der vielen im Trio-Format gespielten Konzerte. Im Zentrum stehen Improvisationen an Bass (Johannes Frisch), Harmonium (Heike Aumüller) und Gitarre (Thomas Weber), die am Rechner modifiziert und um Overdubs ergänzt wurden. Als Gäste dabei: wieder Martin Siewert, Harald Kimmig (an der Violine, der uns gelegenlich auch live schon unterstützte) und Dietmar Dath, der erneut liner notes beisteuerte.

2009 erschien dann "Im erwachten Garten", das Musikbuch mit Diemtar Dath.

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