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Biografie

Hier ist eine Band, die sehr viele Menschen nicht mögen werden, vermutlich die älteren, bzw. sie wird ihnen im besten Fall egal sein; eine Band, der aber andereseits auch viel Hype, Blog-Love und echte Fan-Liebe entgegenschlagen werden bzw. das ohnehin schon tun. So ist das, wenn man eigentlich schon ganz cool, nett und gewitzt ist, aber auch mittelmäßig und kaum mutig, in dem, was man da tut, gut erprobter Durchschnitt in schicker Verpackung, aber auch zu schön und viel zu gut angezogen für diese Welt.

Die Band Friends hat gerade ihr Debüt-Album "Manifest!" (mit Rufzeichen) veröffentlicht, und auf dieser Platte ist alles drauf, was gut ruckelt und groovet, eiert, swingt und scheppert und jede Party steil zum Spritzen bringt. Die in Brooklyn stationierte Band, die rund um die toll expressive Sängerin, Hauptsongwriterin und sympathisch quängelige Frontfrau Samantha Urbani sich gerne ein bisschen an den Instrumenten abwechselt, im Gefüge rotiert und den Bass, die Percussions und klippe-di-klapp Klanghölzer dem jeweils Nächsten weiterreicht, ist ein wunderhübscher Hipster-Starschnitt mit ein paar richtig guten Liedern im Gepäck. Käppi mit Pailletten dran, Batik-Shirt, Ethno-Jäckchen, Rawumms.
Friends
Klingt auch so: Die Band Friends aus Brooklyn

Man kann das schon im ersten Stück auf "Manifest!" hören, um was es hier in Folge vor allen Dingen gehen soll: Den Rythmus. Das ganze Album wird von einem munteren Klopfen, Rascheln und Scheppern getragen. Dazu gesellt sich ein prägnater Bass, der elastisch durch die Songs marschiert. So entsteht ein gut gelaunter Funk, mit der Idee von Punk gewürzt, der über weite Strecken überdeutlich an den spröden Früh-80er-Wave-Funk der New Yorker Heldinnen von ESG angelehnt ist. Dass Chefin Samantha Urbani bis zu den Aufnahmen von "Manifest!" die Band ESG gar nicht gekannt haben soll, ist weder schlimm, noch macht es irgendetwas. Genügend jüngere Gruppen haben sich in den letzten zehn Jahren ohnehin auf diese Band oder auch die zeitlich und stilistisch ähnlich gelagerten Liquid Liquid bezogen und diese Form von, so sagt man, "Dance-Punk" wieder floorfähig und zu einer der spannendsten Musiken der jüngeren Vergangenheit gemacht: Das LCD Soundsystem, !!!, The Rapture - und viele, viele schlechtere. Da muss man sich ja gar nicht mehr die Originale anhören.
Friends Manifest
"Manifest!" von Friends ist bei COOP/Universal erschienen

Friends sind mit "Manifest!" die Vorreiter des viel zu früh gekommenen Revival-Revivals. Da wird der ganze pralle Zeitgeist der Nuller-Jahre unbedarft in zwölf putzige und feine Pop-Songs gegossen, die allesamt von überhaupt nichts eine Ahnung haben zu wollen scheinen. Punk und Disco werden verbunden, Synthie-Pop und Dub miteinander verschnitten. Man bezieht sich freilich im musikalischen Vokabular auf die Talking Heads, Blondie und die ganze 70er/80er-Wende, Postpunk, New Wave, No Wave und die geilen Aufbruchszeiten, in denen die Gitarre und der Dancefloor gute Freundinnen wurden. Friends imitieren New York. Das schmelztiegelige Style-Potpourrie wird zur gefälligen Sauce in Erdebeershake-Rosa eingekocht.

Das zeitigt mitunter beachtliche Ergebnisse: Gwen Stefani wird Frau Urbani die Erfindung der gegurrten Ballade "Ideas On Ghosts" wohl neiden (insgesamt dürfte das Wave-Verständnis der Friends dem von No Doubt nicht unähnlich sein), im Stück "Ruins" wird die sonst vorherrschende Possierlichkeit mit dissonanten No-Wave-Gitarren durchkreuzt und mit dem Stück "A Thing Like This" gelingt den Friends überhaupt ein Song des Jahres: Hier fügt sich alles perfekt. Ein zwitschender Synthesizer, der Bass, das bongohaft ausgestellte Getrommel, ein billiger, diffus "karibisch" gemeinter Ferienclub-Vibe, die hier weich fließende, da wohlig quietschende Stimme Urbanis.

Dies ist die schönste potemkinsche Pop-Musik, die die Gegenwart anzubieten hat. Die Friends wolle keine neue Welt einreißen und keinen neuen Stil etablieren. Die Band Friends ist eine Behauptung, ihr Album "Manifest!" Gebrauchsgegenstand. Ein schön designter, und zwar für H&M.

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