Portrait Georg Graewe (D/A/NL/USA) Porgy & Bess
Tuesday 6 December 2011

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Portrait Georg Graewe (D/A/NL/USA)

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Tuesday 6 December 2011 Thursday 8 December 2011
Dec 6

Porgy & Bess

Riemergasse 11
1010 Wien, Vienna
Austria
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Tel: 01/512 88 11
Web: www.porgy.at

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Three Nights of Random Acoustics, Sonic Fiction and other Assorted Speculations

Portrait Georg Graewe (D/A/NL/USA)

mit Ernst Reijseger, Gerry Hemingway, Koehne Quartett, Elisabeth Baumer, Anne Marie Dragosits,, Almut Kühne, Lucia Cadotsch, Johanna Borchert und dem Sonicfiction Orchestra… und weiteren abendlichen Überraschungsgästen

Installation GedächtnisSpuren für CEUS/Bösendorfer und 4 Videomonitore von Karin Leuenberger und Georg Graewe in der Strengen Kammer.


Gelöst, kammermusikalisch-transparent, farbenreich fließt die Musik, entschleunigt und verhalten, und doch hoch konzentriert, hellwach: Die frei improvisierten Klanggedanken, die Georg Gräwe gemeinsam mit Cellist Ernst Reijseger und Schlagzeuger Gerry Hemingway im Rahmen des aktuellen, meisterhaften Opus Continuum (bei Winter & Winter) hören lässt, sie legen Zeugnis ab von den in 17 Jahren gemeinsamen Musizierens gewachsenen intuitiven Kommunikationskanälen zwischen den Trio-Partnern. Und sie verweisen in den herben harmonischen Reibungen, in der gestischen Rhythmik unüberhörbar auf den “europäischen” Background des Pianisten, auf seine Inspiration – etwa durch die in freier Atonalität komponierten Klavierstücke Arnold Schönbergs.

“Sie sprechen einen wunden Punkt an”, so Georg Gräwe augenzwinkend, “ich habe kaum eine Musik so gründlich studiert wie die der Zweiten Wiener Schule – das kommt eben oft aus mir heraus, ob ich das nun will oder nicht.”

Aus Bochum

Das sind Sätze, die ins Bild des Pianisten zu passen scheinen. Georg Gräwe, der virtuose Fixstern aus der zweiten Generation europäischer Improvisatoren der freien Art, das ist einer jener Musiker, die gerne genannt werden, wenn von einer eigenständigen “europäischen”, weniger puls- denn klangexplorativ orientierten Improvisationsästhetik die Rede ist. Wofür im Falle des aus Bochum stammenden, soeben 50 Jahre jung gewordenen Musikers auch andere Indizien sprechen: etwa durch die berühmten ersten Opera des legendären GrubenKlangOrchesters, mit dem Gräwe zwischen 1982 und 1993 für Furore sorgte. Bezogen sich LPs wie “Bergmannsleben” (1982), mit dem der niedergehenden Industriekultur des Ruhrpotts ein Denkmal gesetzt wurde, oder Hanns Eisler dezidiert nicht auf die afroamerikanische Tradition.

Europa und Amerika – das sind Kategorien, die im Denken von Georg Gräwe selbst freilich keine Relevanz besitzen. “Für mich beleuchten sich etwa Arnold Schönberg und Jelly Roll Morton – die ja beinahe gleich alt waren – gegenseitig. Man findet bei Morton eine aus der kreolischen Kultur kommende kammermusikalische Exaktheit, bei Schönberg hingegen etwa in der Suite op. 29 sehr rhythmische Elemente. John Coltrane und Pierre Boulez haben meines Erachtens in Bezug auf ihre Zeitkonzepte parallel gearbeitet. Sie ergänzen einander, man muss beide kennen, um sie zu verstehen.”

Entsprechend sucht Georg Gräwe auch in seiner eigenen Musik nach “Mehrdimensionalität”, die sowohl Abstraktion wie Expressivität als auch – in der improvisierten Musik noch immer nicht selbst_verständlich – die Möglichkeit von Humor inkludiert. In den Kompositionen für das prominent besetzte Sonic-Fiction-Orchester, das am Sonntag im Rahmen der Nickelsdorfer Konfrontationen seine mit Spannung erwartete Premiere feiern wird, möchte Gräwe zudem die Eigensprachlichkeit der Klänge betonen, den Willen, “mit den Mitteln absoluter Musik Geschichten zu erzählen, ohne auf Außermusikalisches zu verweisen”.

Die Anekdote

Apropos Nickelsdorf: Seit 2003 lebt Gräwe – zuvor in Köln, Chicago, San Francisco und Berlin sesshaft – in den ruralen Outbacks des Nordburgenlands. Dort gehört er – etwa mit Schlagzeuger Paul Lovens – zur wachsenden Musikerkolonie rund um Hans Falbs Jazzgalerie. Deren Stellenwert in der internationalen Improvisationsszene illustriert Gräwe anekdotisch: “Zwei Musiker treffen sich auf dem New Yorker Flughafen. Natürlich fragt man sich: ‘Wohin fliegst du?’ Einer sagt: ‘Nach Wien.’ Wo das denn liege, lautet die Rückfrage. Die Antwort: ‘In der Nähe von Nickelsdorf.’” (Andreas Felber / Der Standard, Print-Ausgabe, 14.7.2006)
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