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Biografie

Ein bisschen was hat sich Fetisch schon dabei gedacht, als er Anfang der 90er Jahre seine Band Terranova benennt. Terranova, neues Land erschließen, neue Wege gehen in musikalischer Hinsicht, nicht stehen bleiben. Schon allein der Lebensweg des Berliners verdeutlicht, dass Stagnation diesem Mann zutiefst zuwider ist.

Mitte der 80er, kaum dass Hip Hop-Beats seinen Kopf zum Nicken gebracht haben, leuchtet ihm ein, dass New York in dieser Hinsicht einfach mehr zu bieten hat als Berlin. Um näher am Puls zu sein, siedelt er kurzerhand um. Die Liaison mit der Weltstadt dauert mehrere Jahre an, nur seine Club-Liebe bleibt nicht monogam. Fetisch rockt die Turntables im Tunnel, im Palladium und in der berühmten Danceteria und schafft es, beim Gee Street-Label seinen Fuß in die Tür zu setzen.

Dort lernt er die jungen Stereo MC's kennen, für die er die Songs "Axis" ("33-45-78") und "Motherman" produziert. Aus der gemeinsamen Arbeit resultiert eine lange Freundschaft, u.a. stellt Fetisch seinen neuen Kumpels die Sängerin Cath Coffey vor, die kurz darauf zum Standard-Line Up der Briten gehört.

Um 1989 kehrt Fetisch nach Berlin zurück, wo er Marco Meister (kurz: Meister) kennen lernt, der sich bislang mit klassischer Klavierausbildung herum geschlagen hat. Man beschließt, sich an der Komposition von Soundtracks zu versuchen, bis schließlich der DJ und Sprayer Kaos alias Dennis Kaun hinzu kommt, und der Name Turntable Terranova geboren wird. Die ersten Veröffentlichungen erscheinen auf dem Compost-Label bzw. auf All Good Vinyl und schon für die dritte Maxi "Tokyo Tower" kann das Trio die Krautrock-Legende Manuel Göttsching von Ash Ra Tempel gewinnen.

Bald nennen sie sich nur noch Terranova, remixen u.a. die Jungle Brothers und erfreuen sich durch ihre Symbiose von Elektro und rauchgeschwängerten Hip Hop-Beats vor allem in englischen Clubs großer Beliebtheit. Ihr Longplay-Debüt ist 1998 eine Compilation der angesagten !K7-Label-Samplerreihe "DJ Kicks", die vor den Berlinern schon hohe Namen wie Kruder & Dorfmeister und Carl Craig für die Turntable-Arbeit gewinnen konnte.

Wer bis dahin noch nicht auf die Jungs aufmerksam wurde, spitzt beim Release des ersten richtigen Terranova-Albums "Close The Door" ein Jahr später endgültig die Ohren. Außer der alten Bekannten Cath Coffey steuert the one and only Tricky die Vocals für "Bombing Bastards" bei (allerdings von Bristol aus), Berlin-Kollege Alex Hacke von den Neubauten werkelt mit und Coco alias Nicolette Krebitz (Freundin von Fetisch) lässt sich auch nicht lumpen, erhebt ihre Stimme und posiert fürs Booklet. Das Ergebnis ist deutlich Downbeat-beeinflusst, schleppend melancholisch und beattechnisch verdammt deep.

Die Presse ist begeistert: "Eine Kollektion dunkler Downtempo-Psalmen" findet der NME, die englische Times schreibt: "Ob sie sanft brennenden Soul oder apokalyptischen Hip Hop liefern, was Terranova anfassen trägt immer ihre unverkennbare Handschrift." Etwa zur selben Zeit produzieren Meister und Fetisch den Soundtrack zum Rainer Kaufmann-Film "Long Hello, Short Goodbye", in dem Miss Krebitz die Hauptrolle spielt.

Im Anschluss kümmern sich die Jungs hauptsächlich um Remix-Aufträge und sorgen mit dem Terranova-Soundsystem für schweißtriefende Tanzflächen in ganz Europa. Als 2002 das zweite Album "Hitchhiking Nonstop With No Particular Destination" erscheint, prangt plötzlich "Edition Terranova" auf dem Cover. Eine kleine Namenserweiterung, die ihren Grund hat: Meister und Kaos haben das Boot vorübergehend für andere Tätigkeiten verlassen, so dass Cheffe Fetisch den Namen seines Verlags zum Projektnamen erkor.

Musikalisch gehts hier nichtmehr um sachte polternde Beats, sondern um offensiv fiese Elektro-Tracks mit Punk-Energie. Gaststars sind u.a. Mike Ladd (Poetry Slam-Legende aus New York) und Ariane (The Slits). Außerdem hat Fetisch für "Hitchhiking …" Musiker-Kollegen wie Shapemod und DJ Naughty um sich geschart, die das neue Dreier-Kollektiv bilden. Im wesentlichen ist das Album aus der Arbeit an der Filmmusik zum Streifen "Jeans" entstanden.

Noch im selben Jahr erscheint (illegalerweise) eine Zusammenstellung der zahlreichen Remixes und 12"-Kollaborationen unter dem Namen "B-Sides & Remix-Sessions", auf der u.a. der Stereo MC's-Remix von "Just Enough" sowie die beiden Tracks mit Krautrock-Göttsching drauf sind. Die Band verkündet derweil, dass dieser Release von ihrem ehemaligen englischen Label ohne Absprache veröffentlicht wurde. Dementsprechend ärgern sich Terranova, da das Album "nicht das wiederspiegelt, was wir zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht hätten", wie Neu-Kollektiv-Mitglied Raccoon erklärt. Raccoon war bislang als Mixer und Engineer der Band in Erscheinung getreten.

2003 hallt plötzlich ein politisches Statement aus Berlin: "Peace Is Tough". Das Werk ist allerdings nicht als völlig neuer Terranova-Longplayer anzusehen, da neben fünf neuen Tracks auch sechs Songs des Vorgängers in neuen Versionen enthalten sind.

Ein neues Studioalbum, "Digital Tenderness" erscheint 2004 und stellt einen nicht unwesentlichen Kontrast zu den vorangegangenen Alben dar. Wenngleich der typische Terranova-stil auch auf "Digital Tenderness" unverkennbar ist, ist das Album doch von einem verstärkten Hang zum Experimentellen, Avantgardistischen geprägt, dementsprechend nehmen sich die Tracks nicht mehr so eingängig aus, sondern fordern den Hörer heraus, seine (tradierten) Vorstellungen selbst dieser, sehr progressiven Musik zu revidieren; desweiteren herrscht auf "Digital Tenderness" ein melancholischerer, tiefgründigerer, auch ruhigerer Unterton.

Zusammen mit dem neuen Album erschien auch die neue Website von Terranova, www.editionterranova.com, auf der sich neben musikalischen Kostproben und den vollständigen Tracklists auch einige interessante Gallerien sowie Tourdaten finden.

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