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Biografie

by Philipp L'Heritier (fm4.orf.at/stories/1603471/)

Stephen McBean, üblicherweise bei den famosen Rockern von Black Mountain im Lohn und Brot, gibt mit dem neuen Album seines Soloprojekts Pink Mountaintops der opulent ausstaffierten Gitarrenmusik die Hoffnung zurück.
Viel ist in den vergangenen Jahren von Kanada und seiner Rockmusik die Rede gewesen, dabei vor allem von der scheinbar besonders kanadischen Vorliebe, musikalische Projekte etwas loser als anderswo auf der Erde zu organisieren, eher der Idee vom "Kollektiv" denn dem Prinzip "Band" folgend: Musiker rotieren in der Besetzung, die stets nur temporärer Zustand ist und von Aufnahme zu Aufnahme wechseln kann. Freundschaftlich wird stets da und dort ausgeholfen, die Gruppe kann aus mal fünf, mal fünfzehn Musikern bestehen. Alles bleibt im Fluss. Was daran liegen mag, würde Michael Moore wohl soziologisch vage mutmaßen, dass in Kanada niemand seine Türen absperrt.

Das weitmaschige Freundschaftsgeflecht Broken Social Scene und dessen viele Ableger, der wilde Haufen im Umfeld von Godspeed You! Black Emperor und dem Label Constellation Records oder der orchestrale Wanderzirkus Arcade Fire, der zwar vergleichsweise fixiert daherkommt, vom herkömmlichen Modell einer Indierockband aber immer noch gut zu unterscheiden ist.

Return From Black Mountain

Durch Vancouver im Südwesten Kandas geisterte da lange Zeit ein loser Zusammenschluss von Freunden, Musikern und Künstlern jegliche Couleur, der sich den Namen "Black Mountain Army" gegeben hatte. Im Kern ist die "Army" die famose Band Black Mountain, die mit bekifftem Stoner-Rock samt psychedelischen Ausritten die Welt erschüttert. Wenn Black Mountain nicht gerade solch fulminante Alben wie das vergangenes Jahr erschienene "In The Future" aufnehmen und mit diesen durchs Land touren, bleibt für einzelne Mitglieder da und dort Zeit für eigene Projekte.

Sänger, Gitarrist und Songwriter Stephen McBean hat sich neben Black Mountain die Solounternehmung Pink Mountaintops als Abenteuerspielplatz ausgedacht, mit dem er jetzt bei Album Nummer Drei, dem hervorragenden "Outside Love", angekommen ist. Pink Mountaintops, die leichtfüßigere und versponnenere Schwester des dunklen, bösen Black Mountain: Wo hier das "Black" für Black Sabbath stehen kann, meint da das "Pink" eher die oft uferlose Psychedelik von Pink Floyd.

Gruppendynamik

Die ersten beiden Alben der Pink Mountaintops waren in erster Linie noch bloßes Ventil für McBeans spinnerte Experimente im Kämmerlein und im besten Sinne zerfahren, "Outside Love" hingegen ist ein groß durchorchestriertes Album, mit allen Pauken, Trompeten und herzerweichendem Pathos, ein Album im Sinne von: Album.

Für die aktuelle Platte hat Stephen McBean als musikalischer Direktor eine siebenköpfige Backingband als relativ fixen Support um sich versammelt, darunter so prominentes Personal der kanadischen Musiklandschaft wie Sophie Trudeau von Godspeed You! Black Emperor, Silver Mt. Zion oder Evangelista, Ashley Webber, die zuletzt großartig auf Bonnie "Prince" Billies "Lie Down in the Light" mit dem Meister des Vollbartcountry selbst duettierte, oder Ted Bois, den Tastenmann bei Destroyer. Daneben haben haufenweise andere Musiker, wie zum Beispiel Jesse Sykes von den freigeistigen Allesverwurstern Jackie O-Motherfucker oder ein vierköpfiger Frauenchor immer wieder zum Zwecke punktueller Songausschmückungen im Studio vorbeigeschaut.

Goldenes Handwerk und Entrücktheit

Was dabei am Ende rauskommt, ist eine der besten, nicht auf Elektronik oder andere Weltmusikexperimente zurückgreifenden Gitarrenplatten der jüngeren Vergangenheit. "Outside Love" ist traditionell. Americana, Country, Mundharmonikafolk, Indierock. Da ist das zarte Schlaflied "While You Were Dreaming", das sich gut hörbar auf den verhuschten Dreampop von Mazzy Star beruft, das forsch runtergeschrammelte "Gayest of Sunbeams" das sich an Indiekracher im Geiste der Lo-Fi-Götter Guided by Voices oder The Jesus And Mary Chain anlehnt.

Dazwischen, davor und danach: Slidegitarren, vielstimmig greinende Chöre, minimalistische Balladen, besoffene Walzer und schon auch mal gut gelaunter Überschwangsrock kanadischer Prägung und eine muntere Hymne an den verdienten "Holiday in The Sun".

Agiles Gefiedel und Gerassel und Geklapper und Geklingel, dazu eine breitwandige Produktion, die Phil Spectors, der hat gerade andere Sorgen, Wall of Sound heraufbeschwört. So reitet die Platte dahin, über Hochs und Tiefs, zwischen Songs of Love und Songs of Hate, zwischen "Creatures of the Night" und freundlichen Sonnenstrahlen, zwischen der fein gedrechselten Handwerkskunst des soliden Songwritings und aus dem Ruder laufender Entrückheit, möglicherweise drogeninduziert und alles so schön bunt hier. Zehn Stücke der Weh- und der Übermut, hier begleitet von spartanischer Gitarre, da ausstaffiert von scheppernder Opulenz. Süßer die Engel nie sangen, Amen!

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