Verwerfen

As your browser speaks English, would you like to change your language to English? Or see other languages.

Es steht eine neue Version von Last.fm zur Verfügung. Bitte lade die Seite neu.

Wiki

Der Song von Jimi Hendrix ist ein stark variiertes Cover des gleichnamigen Songs von Bob Dylan.

Das Original veröffentlichte Dylan auf dem Longplayer „John Wesley Harding“.

Nachdem Bob Dylan 1965 eine von vielen Anhängern verpönte Abwendung vom Folk hin zur Rockmusik vollzogen hatte, versuchte er Ende 1967 mit dem Album, sich dem damaligen musikalischen Trend, von dem er sich vereinnahmt fühlte, wieder entgegenzustellen.

Die Stimmung des Albums und der Texte ist mystisch-apokalyptisch und voller biblischer Bezüge. Dies gilt auch für All along the Watchtower. Der Text soll sich auf eine Bibelstelle beziehen, die beschreibt, wie man am israelitischen Hofe voller Anspannung auf Kunde vom Ausgang des Krieges gegen Babylon wartet. Bei Dylan lästert ein Narr über die Endzeitstimmung bei Hofe, während ein Dieb darauf hinweist, dass das Schicksal der Mächtigen das einfache Volk nichts angeht. Während in der Bibelstelle Nachricht vom Fall Babylons eintrifft, lässt Dylan bei seinem Text am Ende offen, wer die eintreffenden Reiter sind, Freund oder Feind. Stattdessen heult nur der Wind und eine Raubkatze brüllt auf.

Auch wenn Bob Dylan absolut keinen Rocksong schreiben wollte, weist das Stück doch die harmonische Struktur eines typischen Rockstücks auf, wie sie Ende der 60er Jahre gebräuchlich wurde.

Die Entwicklung ging weg vom Blues- und bluesschema-basierten Rock hin zu freieren Formen. Da Soli zu dieser Zeit selten auskomponiert, sondern insbesondere live meist ausufernd improvisiert wurden, waren einfache Songstrukturen mit übersichtlichen Harmoniewechseln gefragt. Über diese konnte ohne große Vorbereitung leicht improvisiert werden. Gern eingesetzt wurden 4-taktige Akkordfolgen mit einem Harmoniewechsel auf jedem oder fast jedem Takt, zu hören zum Beispiel auch bei white room von Cream. Durch diese praktisch auf jeden Takt erfolgenden Akkordwechsel wird, insbesondere bei rhythmischer Phrasierung, eine Art Akkordriff für die Rhythmusgitarre erzeugt.

Genau so eine Struktur hat auch „All along the Watchtower“. Die Akkordfolge ist hier C#-moll, H-dur, A-dur, H-dur.

Die Besonderheit ist allerdings, dass sich diese Akkordfolge ohne jede Unterbrechung durch den gesamten Song zieht, es gibt keinen Refrain, keine Bridge (wie z. B bei „White Room“), nur ein kurzes abweichendes Intro. Im Prinzip ist der gesamte Song nur ein Endlosloop.

Jimi Hendrix hat das Potential des Stücks für einen grandiosen Rocksong sofort gespürt, hatte er doch bereits einmal mit überwältigendem Erfolg ein Stück mit harmonischem Endlosloop gecovert, nämlich „Hey Joe“.

Jimi hörte „All along the Watchtower“ auf einer Party und suchte noch am gleichen Abend mit Dave Mason ein Studio auf, um den Song für sich aufzunehmen. Mason übernimmt den über das ganze Stück gleichbleibenden Rhythmuspart und überlässt alles andere Jimi Hendrix. Der sorgt zunächst dadurch für Abwechslung, dass er nicht wie oft gebräuchlich einmal im Stück irgendwo ein Gitarrensolo spielt, sondern die Strophen jeweils durch Soli voneinander abgrenzt. Gleichwohl ist es keine Jamsession, sondern Hendrix beabsichtigt sogleich eine plattentaugliche Studioaufnahme.

Hendrix agierte damals nicht nur spielerisch, sondern auch technisch an vorderster Front, und so schafft er weitere Abwechslung dadurch, dass er im Laufe des Stücks unterschiedliche Spieltechniken, Effektgeräte und Gitarren einsetzt. So ist am Anfang wohl einer der damals aufkommenden Fuzz-Verzerrer zu hören, später wird Echo eingesetzt, und bei einigen Solotakten soll ein Feuerzeug als Bottleneck über eine 12-saitige E-Gitarre geführt worden sein.

Den heulenden Wind und die brüllenden Wildkatzen lässt Jimi uns durch den häufigen Einsatz sog. „Unison-Bends“ nacherleben. Bei dieser Technik wird die h-Saite der Gitarre mit zwei Fingern so weit nach oben gezogen, bis sie mit einem drei Bünde tiefer auf der hohen e-Saite gegriffenen Ton gleich klingt. Teilweise wird dies noch mit den besagten Effekten verfremdet, was den psychedelischen Charakter des Songs bewirkt.

Hendrix liefert mit dem Song nicht nur eine musikalische Meisterleistung auf der Höhe der damaligen Zeit ab, sondern auch eine schöne musikalische Interpretation des Textes.

Die Aufnahme von Hendrix ist einer der Rockklassiker schlechthin.

Anzumerken ist noch, dass dieselbe Akkordfolge noch einem anderen grandiosen Rocksong zu Grunde liegt, dort allerdings nur dem Solopart: Jimi Page setzt sie bei „Stairway to Heaven“ ein, nur die Tonart ist dort A-moll statt C#-moll.

Erstaunlich, wie unterschiedlich bei zwei Songs dasselbe harmonische Material klingen kann.

Diese Wiki bearbeiten

API Calls