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Biografie

Herbert von Karajan, geboren als Heribert Ritter von Karajan (* 5. April 1908 in Salzburg; † 16. Juli 1989 in Anif, Salzburg), war ein österreichischer Dirigent. Er zählte zu den bekanntesten Orchesterleitern des 20. Jahrhunderts. Karajan arbeitete mit vielen angesehenen Symphonieorchestern, wirkte an bedeutenden Opernhäusern und veröffentlichte zahlreiche Einspielungen klassischer Musik. Er arrangierte auch die Hymne der Europäischen Union.

Familie

Er entstammte einer ursprünglich aus Makedonien stammenden Familie (Aromunischer Herkunft), die 1743 in Kozani erstmals urkundlich erwähnt ist, und war der Ur-Urenkel des Kaufmanns Georg Karajan, eigentl. Georgios Karajannis, Inhaber einer Baumwollhandlung im kursächsichen Chemnitz und Urenkel von Theodor von Karajan. Georg Karajan wurde mit Ehefrau und seinen Söhnen Demeter und Theodor am 1. Juni 1792 durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. in den erblichen Reichsadelsstand erhoben. Die Anerkennung dieses Adelsstandes in Österreich erfolgte für dessen Witwe und die Söhne durch Erlass vom 4. Januar 1832. Theodor von Karajan wurde am 11. Juli 1869 in Wien mit seiner Ernennung zum Ritter des Leopoldsordens in den österreichischen Ritterstand erhoben. Herbert von Karajans Vater war als Chirurg in Salzburg tätig.

Beruflicher Werdegang

1912 begann Karajan eine pianistische Ausbildung bei Franz Ledwinka. Von 1916 bis 1926 war Karajan Schüler am Konservatorium Mozarteum in Salzburg bei Franz Ledwinka (Klavier), Franz Sauer (Harmonielehre) und Bernhard Paumgartner (Komposition, Kammermusik), der Karajan dabei förderte, Dirigent zu werden.

1926 machte er die Matura am Humanistischen Gymnasium in Salzburg. In seiner schriftlichen Arbeit beschäftigte er sich mit Thermodynamik und Explosionsmotoren. Von 1926 bis 1928 studierte er drei Semester lang Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Wien, gleichzeitig Musikwissenschaft an der Universität Wien und bis 1929 an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst Klavier bei Josef Hofmann sowie Dirigieren bei Alexander Wunderer und Franz Schalk.

Am 22. Januar 1929 trat Herbert von Karajan zum ersten Mal öffentlich mit dem Mozarteum-Orchester in Salzburg auf, worauf der Intendant des Ulmer Stadttheaters Karajan zum Probedirigat einlud.

In Ulm wurde Karajan 1930 Erster Kapellmeister am Stadttheater und im Philharmonischen Orchester. 1935 wurde er in Aachen der jüngste Generalmusikdirektor Deutschlands.

In die NSDAP wurde Karajan erstmals in Salzburg am 8. April 1933 aufgenommen mit der Mitgliedsnummer 1.607.525. Allerdings heißt es, dieser Eintritt sei nie vollzogen worden, obwohl er die Aufnahmegebühr zahlte. Im März 1935 erfolgte erneut ein Beitritt in die NSDAP mit der Nr. 3.430.914 in Aachen. Nach dem Anschluss von Österreich an Deutschland wurde diese doppelte Mitgliedschaft in der Zentrale der NSDAP in München entdeckt, die den zweiten Eintritt auf den 1. Mai 1933 zurückdatierte.

Weithin bekannt wurde Karajan, nachdem er 1938 in der Berliner Staatsoper mit Beethovens Fidelio debütiert und kurz darauf Wagners Tristan und Isolde dirigiert hatte. Nach dem Tristan erfand der Kritiker der Berliner Zeitung Edwin von der Nüll das Schlagwort vom „Wunder Karajan“. Ein erster Vertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft wurde geschlossen. In der Folge wurde er Staatskapellmeister der Staatskapelle Berlin.

Am 18. Februar 1945 gab Karajan ein letztes Konzert mit der Staatskapelle in Berlin. Das Kriegsende verbrachte er zusammen mit seiner damaligen Frau Anita in Mailand und am Comer See, wo er sich – so sagte er – „versteckte, um einem Einberufungsbefehl zu der Kampfpropagandatruppe Südstern zu entgehen.“

1946 wurde ihm von der sowjetischen Besatzungsmacht wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft Berufsverbot erteilt, das aber 1947 bereits wieder aufgehoben wurde.

1948 wurde Karajan Direktor und Ehrenmitglied, 1949 Mitglied auf Lebenszeit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Mit der Aufnahme bei den Musikfreunden begann seine eigentliche Karriere. Ebenfalls 1948 debütierte er an der Mailänder Scala und war dort ständiger Gast als Dirigent und Regisseur von 1948 bis 1968.

1951 dirigierte er erstmals auf den Bayreuther Festspielen, kehrte aber nach 1952 nicht mehr nach Bayreuth zurück, weil er Wieland Wagners Regiestil mit seiner Auffassung für unvereinbar hielt. Karajans Einsätze in Bayreuth (jeweils eine Aufführung):

* 1951:

Das Rheingold
Die Walküre
Siegfried
Götterdämmerung
Die Meistersinger von Nürnberg

* 1952:

Tristan und Isolde

1955 wurde er Nachfolger von Wilhelm Furtwängler und Sergiu Celibidache als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

Im Dezember 1954, kurz nach Furtwänglers Tod, hatte Berlins Kultursenator Joachim Tiburtius bei Karajan angefragt, ob dieser die noch zu Furtwänglers Lebzeiten für den März 1955 terminierte USA-Tournee der Berliner Philharmoniker übernehmen könne. Karajan antwortete: „Mit tausend Freuden, aber nur als designierter Nachfolger und künstlerischer Leiter“. Als Karajan 1955 die Berliner Philharmoniker in New York dirigierte, kam es zu dramatischen Demonstrationen gegen Deutschland und Karajan. Von seinem 1956 auf Lebenszeit abgeschlossenen Vertrag mit den Berliner Philharmoniker trat er im April 1989 zurück, da ihm die finanzielle Förderung durch die Stadt und seine Kompetenzen nicht mehr ausreichten.

Außerdem war er von 1957 bis 1964 künstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper, wo er entscheidend zum Weltruhm des Hauses beitrug und viele wichtige Sänger erstmals an das Haus holte. Als die Bundestheaterverwaltung in einem Arbeitskonflikt die Operndirektion überging, schrieb er am 7. Februar 1962 einen ersten Rücktrittsbrief. Nach einem zweiten Konflikt, an dem Karajan, Direktor Egon Hilbert, das Unterrichtsministerium, die Bundestheaterverwaltung, der Gewerkschaftspräsident, der Bundeskanzler und am Ende der Verwaltungsgerichthof beteiligt waren, demissionierte Karajan am 11. Mai 1964 endgültig. Im Herbst 1963 hatte Karajan für die Übernahme von Puccinis La Bohème einen in der italienischen Oper üblichen Maestro suggeritore engagieren wollen. Die Gewerkschaft wollte die Arbeitserlaubnis für den fälschlich so bezeichneten „ausländischen Souffleur“ verhindern.

Ab Mitte der 1970er Jahre wurde er zunehmend von gesundheitlichen Problemen geplagt, was ihn freilich nicht daran hinderte, weiterhin Tourneen in alle Welt zu unternehmen. 1967 gründete er die Salzburger Osterfestspiele, die er bis zu seinem Tod leitete: Jedes Jahr erarbeitete er dort eine Opernneuproduktion mit den Berliner Philharmonikern, die dafür vom Berliner Senat freigestellt wurden. Nach dem Bruch mit den Berlinern 1989 arbeitete er in Salzburg erstmals mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Nach Auslaufen seines Vertrags als künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele (1956–1960) spielte er weiterhin als Dirigent und später als Mitglied des Direktoriums, dem er von 1964 bis 1988 angehörte, eine wichtige Rolle in der Programmierung.

Herbert von Karajan war ein Gründungsmitglied der Paul-Hindemith-Gesellschaft in Berlin. Er war auch stark an den Techniken der Musikreproduktion interessiert und legte sehr viel Wert auf die Berichterstattung der Medien über klassische Musik. Er führte als einziger Österreicher nach Ende der Monarchie seinen Adelstitel, den er gegenüber den österreichischen Behörden, die ihn in Österreich halten wollten, mit dem Vorwand durchsetzte, es handle sich um seinen Künstlernamen.

Bedeutung

Karajan hat als Dirigent mehr Schallplatten- und CD-Einspielungen vorgelegt als die meisten seiner Kollegen. Nach wenigen Kriegsaufnahmen, u. a. auch frühe Stereoaufnahmen vom letzten Satz der 8. Sinfonie von Bruckner, startete er 1946 durch Vermittlung von Walter Legge bei Columbia Records (später EMI) eine erste große Serie von Schallplattenaufnahmen mit dem neu gegründeten Philharmonia Orchestra. Ab Mitte der 1950er bis Anfang der 1960er nahm er auch bei Decca in London auf, ab 1959 neben dem bis in die 1980er Jahre laufenden Vertrag mit EMI auch bei Deutsche Grammophon. Das Standardrepertoire – und nur das interessierte ihn mit ganz wenigen Ausnahmen – nahm er so bis zu fünfmal auf, und die Zahl der Aufnahmen steht nach Ansicht vieler Kritiker nicht immer im Verhältnis zu ihrer künstlerischen Leistung. Seine 1982 gegründete Firma Telemondial hatte den Zweck, sein „Vermächtnis“ auch im Bild festzuhalten; es entstanden Bild- und Tonaufnahmen, in denen Karajan zum Teil auch die Bildregie bestimmte, und zwar in einer Art, die pathetisch wirken sollte, das Peinliche gelegentlich aber mehr als nur streifte.

Karajans Musizierstil war meist (abgesehen von seiner frühen Zeit bei EMI) akademisch, ohne große Wagnisse, legte jedoch größten Wert auf den Klang. Karajans Ideal war ein „entmaterialisierter“, geglätteter, „stromlinienförmiger“ Klang, der alle Körperlichkeit und Ansatzgeräusche bei der Tonbildung vermeidet. Das führte bei klangsinnlichen Werken wie solchen des Impressionismus oder auch bei Jean Sibelius zu beeindruckenden Ergebnissen – Karajan gilt hier neben Leopold Stokowski als einer der größten „Klangmagier“ überhaupt –, beim klassisch/romantischen Repertoire wurde sein Klangideal aber häufig als oberflächlich poliert kritisiert. Nicht unumstritten sind seine Bruckner- und Mahler-Aufnahmen, bei schwierigen Werken der klassischen Moderne wie Strawinskys Sacre du printemps stieß er an seine Grenzen. Seine letzte Aufnahme war Bruckners 7. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern.

Karajan erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1961 das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst; 1978 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wien. Seit 1997 finden im Festspielhaus Baden-Baden die Herbert von Karajan Pfingstfestspiele statt. Seit 2003 wird ebenfalls in Baden-Baden der Herbert-von-Karajan-Musikpreis verliehen.

Privatleben

Herbert von Karajan war dreimal verheiratet. In erster Ehe (1938) mit Elmy von Karajan-Holgerloef, in zweiter Ehe (1942) mit Anita Gütermann, der Erbin einer Nähseidenfirma, und in dritter Ehe (1958) mit Eliette von Karajan. Aus dieser Ehe gingen die Töchter Isabel (* 1960) und Arabel (* 1964) hervor. Für beide Töchter übernahmen Orchester, die mit Karajan verbunden waren, die Patenschaft, die Wiener Philharmoniker für Isabel und die Berliner Philharmoniker für Arabel.

Seine technischen Interessen erstreckten sich nicht nur auf die Aufnahmetechnik. Er war ein Freund schneller Autos und gehörte als langjähriger Porsche-Fahrer zu dem geringen Kreis Prominenter, die das limitierte Modell 959 erhielten – sogar gleich zweimal. Zitat: „Mit dem ersten hatte ich keine Probleme, da er abbrannte.“

Daneben besaß er eine Privatpilotenlizenz und flog sein eigenes Propellerflugzeug aus dem Hause Cessna häufig selbst. Später erwarb er zusätzlich die entsprechende Musterberechtigung und flog eine Dassault Falcon 10 (Mystère 10). Auch Segeln auf größeren Yachten gehörte zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Meist wurden diese Aktivitäten – gewollt – medial begleitet.

Über Karajans Vermögen wurde besonders nach seinem Tode spekuliert. Anhand der Summe seiner Einspielungen und Wohnsitze wurde sein Vermögen auf 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Diese Zahl wurde seitens des Nachlassverwalters nie bestätigt oder korrigiert.

Herbert von Karajan verstarb am 16. Juli 1989 in Anif an einem Herzinfarkt nach einer Besprechung mit Sony-Chef Akio Morita. Am Vormittag hatte er noch eine Probe zu Un ballo in maschera geleitet. Am nächsten Tag wurde er entsprechend seiner Verfügung ohne Benachrichtigung der Nachwelt auf dem Ortsfriedhof von Anif beerdigt.

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