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Biografie

Fryderyk Franciszek Chopin (Frédéric François Chopin auch Fryderyk Franciszek Szopen) (* 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, nahe Warschau / Polen; † 17. Oktober 1849 in Paris) war ein polnischer Komponist und Pianist. Er gilt als herausragender, einflussreichster und beliebtester Komponist fürs Klavier und als Polens bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte.

Die frühen Jahre

Chopin wurde als Fryderyk Franciszek Chopin in Żelazowa Wola (Polen) geboren. Wer über Frédéric Chopin schreibt, kommt an seinem Vater Nicolas kaum vorbei. Fast jede Biografie widmet ihm ein Kapitel, weil sein Werdegang erklärt, warum sein Sohn, der Komponist mit dem französischen Namen, Pole war. Nicolas Chopin, ein Franzose polnischer Abstammung, der auf dem väterlichen Weingut in Lothringen sein Auskommen gehabt hätte, wanderte 1788 nach Polen aus, verdingte sich dort als Bürokraft und Hilfsarbeiter, nahm die polnische Staatsbürgerschaft an und kämpfte in den Freiheitskriegen der 1790er Jahre für Polen. Als er die aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende Justyna Krzyżanowska kennen lernte, war das Glück auf seiner Seite. Die Familie Krzyżanowski begrüßte diese Verbindung und verhalf Nicolas Chopin zu einem einträglichen Beruf, der die sechsköpfige Familie (Frédéric hatte noch drei Schwestern) ernähren konnte. Französisch zu sprechen galt in den gehobenen Kreisen des polnischen Bürgertums zu der Zeit als absolutes Muss und Nicolas Chopin offenbarte sich als idealer Lehrer.

Frédéric Chopin und seine Schwestern wurden in eine heile Welt hineingeboren, die von Herzlichkeit und Toleranz geprägt war. Chopins musikalisches Talent zeigte sich früh, er galt als Wunderkind und komponierte schon im Alter von 7 Jahren. Seine erste Polonaise wurde 1817 gedruckt. Chopins Status als Wunderkind dürfte die Ursache für Unklarheiten hinsichtlich seines Geburtsdatums sein – Wunderkinder machte man gern jünger, als sie tatsächlich waren. Geburten wurden zu dieser Zeit längst registriert, jeder wusste, wann und wo er geboren war, für Chopin hingegen gibt es drei Daten zur Auswahl: 8. Mai 1809, 22. Februar und 1. März 1810, wobei Chopin selbst (auch im späteren Leben) als seinen Geburtstag immer letzteres Datum angab.

Chopin absolvierte die Mittelschule (bis 1826) und studierte anschließend am Konservatorium in Warschau Klavier und Komposition bei Józef Elsner. Er komponierte eifrig und legte die Ergebnisse seinem Lehrer Elsner vor, der dazu feststellte: „Er meidet die ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden, aber auch sein Talent ist ungewöhnlich.“ Sein zweites veröffentlichtes Werk, die unter der Opus-Zahl 2 erschienenen Variationen über das Thema „Là ci darem la mano“ aus der Mozart-Oper Don Giovanni erregte wenige Jahre später Aufsehen in Deutschland. 1831 schrieb der Komponist Robert Schumann als Musikkritiker in der Leipziger „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ unter dem Titel „Ein Werk II.“ mit dem Ausruf „Hut ab Ihr Herren, ein Genie“ eine huldigende Rezension über Chopins Bearbeitung.

Zwischen Warschau, Wien und Paris

In den Jahren zwischen 1829 und 1831 hielt sich Chopin abwechselnd in Warschau, Wien und in Paris auf. Er gab mehrere Konzerte, denen Publikum wie Fachpresse großes Lob zollten. Die „Leipziger Musikalische Zeitung“ hob die „ausgezeichnete Zartheit seines Anschlags, eine unbeschreibliche mechanische Fertigkeit, sein vollendetes, der tiefsten Empfindung abgelauschtes Nuancieren“ hervor und bezeichnete ihn als „einer der leuchtendsten Meteoren am musikalischen Horizont“. 1829 war es auch, als Chopin sich in die Konservatoriumsschülerin Konstanze Gladkowska verliebte, er beichtete es seinem Freund Titus. Die verheimlichte Leidenschaft endete für sie, da Vater Nicolas Chopin angesichts der 1830 im damaligen Kongresspolen ausgebrochenen Aufstände gegen die Fremdherrschaft seinem Sohn riet, vorerst im Ausland zu bleiben. Die endgültige Übersiedlung Frédéric Chopins nach Paris erfolgte im Jahr 1831. Der Abschied von seiner Heimat Polen war ihm nicht leicht gefallen, und dass es für immer sein würde, ahnte er nicht.

„Die schönste aller Welten“

Von Paris war Chopin sehr angetan: Die Baulichkeiten und das Ambiente der Stadt sowie das großstädtische Flair der Parisiennes faszinierten ihn. „Die schönste aller Welten“ schrieb er in einem Brief nach Polen. Chopin bemühte sich zunächst, weiter auf dem Klavier unterrichtet zu werden. Er sprach bei Friedrich Kalkbrenner vor, doch dessen Reaktion ließ ihn wie seine Freunde vermuten, dass Kalkbrenner es nur darauf abgesehen habe, sich damit zu schmücken, der Lehrer Chopins zu sein. Der Unterricht dauerte keinen Monat, Chopin fühlte sich von Kalkbrenners Schulmeisterei eingeengt.

In Paris finanzierte Chopin seinen Lebensunterhalt mit Konzerten. Zunächst deckten die Einnahmen gerade die Kosten, Chopin war einfach noch nicht bekannt genug. Ein einflussreicher Förderer nahm ihn schließlich mit zu einem Empfang bei der Familie Rothschild. Sein Klavierspiel entzückte die Gäste so sehr, dass er im Handumdrehen eine Reihe von Klavierschülern – und vornehmlich Klavierschülerinnen – gewonnen hatte. So hatte Chopin ab 1833 ein geregeltes Einkommen, das durch Konzerte und Kompositionen zusätzlich Aufstockung erfuhr. Seine Verhältnisse waren somit geordnet. Während andere Musiker des 19. Jahrhunderts wie z. B. Richard Wagner oder Pjotr Tschaikowski über Phasen hinweg auf die finanzielle Unterstützung von Gönnern oder Gönnerinnen angewiesen waren, hatte Chopin Freundschaften, die keiner berechnenden Hintergedanken bedurften. Er konnte sich eine private Kutsche und Bedienstete leisten und ließ seine Kleidung nur aus feinsten Stoffen fertigen. Trotzdem fand er Grund, sich bei einem Freund zu beklagen – sein aufwändiger Lebensstil verschlang nämlich so viel Geld, dass Chopin sich genötigt sah, statt 4 Stunden nun 5 Stunden Unterricht täglich geben zu müssen.

Zu Chopins Freundeskreis zählten u.a. der Maler Eugène Delacroix, die Musiker Franz Liszt und Ferdinand Hiller und die Schriftstellerin George Sand. Letztere hatte er im Hause Franz Liszts kennen gelernt und seine erste Reaktion auf diese in Männerkleidung auftretende, zigarrenrauchende Frau war pure Ablehnung: „Was für eine unsympathische Frau sie doch ist! Ist sie denn wirklich eine Frau? Ich möchte es fast bezweifeln.

Die Zeit mit George Sand

Als Chopin 1837 wegen einer unglücklichen Liebe zu der damals 18-jährigen Maria Wodzińska in eine Lebenskrise geriet, war es die sechs Jahre ältere George Sand, die ihm sein seelisches Gleichgewicht wiedergab.

Auf den ersten Blick scheint dies verwunderlich: Maria Wodzińska und George Sand hatten so gut wie nichts miteinander gemein. Wodzińska war ein femininer Typ, wie man sich das von Töchtern aus gutem Hause wünschte, wohingegen die Schriftstellerin Sand sich als selbstbewusste, provozierende und antithetisch gebende Persönlichkeit darstellte. Aufgrund der Tatsache, dass Chopin sie beim ersten Kennenlernen vehement abgelehnt hatte, blieben bei dem Verhältnis der beiden zueinander als Liebesbeziehung viele Fragen offen. Einerseits: George Sand war eine leidenschaftliche Frau, der eine ganze Reihe zumeist jüngere Männer regelrecht verfielen. Ob das auch auf Chopin zutraf, lässt sich nicht beantworten. George Sand hat nachträglich zahlreiche an sie gerichtete Briefe vernichtet, so dass hierfür keine eindeutigen Belege überliefert sind. 10 Jahre sollte diese intime Beziehung dauern. In dieser Zeit hielt sich das Paar abwechselnd in Paris sowie auf George Sands Landsitz in Nohant auf.

Valldemossa

Im November 1838 übersiedelte George Sand mit ihren Kindern Maurice und Solange nach Mallorca. Der Entschluss beruhte auf ärztlichem Rat, denn man erwartete sich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes von Maurice, den eine rheumatische Erkrankung plagte. Aber auch Chopin, der zeitlebens an Tuberkulose litt, erhoffte sich eine Linderung seines Leidens durch ein milderes Klima und schloss sich der Familie an. Maurice erholte sich sichtbar. Für Chopin stand der Aufenthalt in der Klosterkartause Valldemossa jedoch unter keinem guten Stern. Die Räumlichkeiten waren zu kalt und zum leidlichen Wetter kam hinzu, dass die Mallorquiner gegenüber dem nicht verheirateten Paar sehr distanziert blieben. Gleich zu Anfang entwickelte er alle Anzeichen einer Lungenentzündung, wie George Sand später schriftlich beklagte. Nach 98 Tagen verließen Chopin und Sand die Insel wieder. So kurz dieser Zeitraum im Verhältnis zu den übrigen Jahren erscheinen mag, sowohl Chopin wie auch George Sand hatte dieses Ereignis stark mitgenommen. Aber anders als George Sand, die ihr vernichtendes Urteil über die Mallorquiner gleich in dem Roman Ein Winter auf Mallorca aufarbeitete, reagierte Chopin weniger nachtragend. Der gern zitierte Brief vom 3. Dezember 1838 über die ärztliche Kunst der Mallorquiner ist möglicherweise weniger boshaft gemeint denn vielmehr Zeugnis seiner Selbstironie, derer Chopin sich oft bediente, um mit seiner chronischen Erkrankung fertig zu werden.

„Die drei berühmtesten Ärzte der ganzen Insel haben mich untersucht; der eine beschnupperte, was ich ausspuckte, der zweite klopfte dort, von wo ich spuckte, der dritte befühlte und horchte, wie ich spuckte. Der eine sagte, ich sei krepiert, der zweite meinte, dass ich krepiere, der dritte, dass ich krepieren werde.“

Auf Mallorca entstanden die 24 Préludes, zu denen das bekannte „Regentropfenprélude“ zählt. Im Kontext dieses Musikstücks wird gern darauf verwiesen, wie unwohl Chopin sich in der unheimlichen Umgebung des Klosters gefühlt habe. Ein Brief vom 28. Dezember 1838 belegt diese Annahme, Chopin schreibt an einen Freund:

„Nur einige Meilen entfernt zwischen Felsen und Meer liegt das verlassene, gewaltige Kartäuserkloster, in dem du dir mich in einer Zelle mit Tür, einem Tor, wie es nie in Paris eins gab, vorstellen kannst, unfrisiert, ohne weiße Handschuhe, blass wie immer. Die Zelle hat die Form eines hohen Sarges, das Deckengewölbe ist gewaltig, verstaubt, das Fenster klein, vor dem Fenster Orangen, Palmen, Zypressen; gegenüber dem Fenster mein Bett auf Gurten unter einer mauretanischen, filigranartigen Rosette. Neben dem Bett ein quadratisches Klapppult, das mir kaum zum Schreiben dient, darauf ein bleierner Leuchter mit einer Kerze, Bach, meine Kritzeleien und auch anderer Notenkram … still … man könnte schreien … und noch still.“

Nach Angaben von George Sand in ihrem Roman Ein Winter auf Mallorca litt Chopin in der Zeit öfter unter Halluzinationen: Als sie mit ihren Kindern aufgrund strömenden Regens erst mitternächtlich von einem Ausflug nach Palma zurückkehrte, sprang er vom Klavier auf und klagte: „Ach, ich wusste, dass ihr tot seid“ - nur langsam kam ihm die Einsicht, dass er irrte, dass alle lebten.

Ende der Beziehung

Die Beziehung zwischen Chopin und George Sand endete 1847. Der Grund hierfür ist nicht eindeutig geklärt. Weder Chopin noch George Sand haben zu ihrer Trennung Stellung bezogen. Bekannt ist, dass George Sand zu der Zeit sehr konfliktfreudig auftrat. Dass ihre Tochter Solange sich dem mittellosen Bildhauer Auguste Clésinger zugewandt hatte, war Auslöser für Familienstreitigkeiten, bei denen es zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Sohn Maurice und Clésinger bzw. der dem Sohn beispringenden Mutter kam. Was im Einzelnen vorgefallen war, ist nicht gesichert, weil es hierüber von Seiten George Sands sowie Solange unterschiedliche Versionen gibt. Chopin, von der Nachricht brüskiert, dass Solange sich heimlich verlobt hatte, hielt gleichwohl seine Freundschaft zu ihr aufrecht, was für George Sand einen unglaublichen Affront darstellte.

Früher Tod

Chopin starb am 17. Oktober 1849 (wie sein damaliger Freund Fredéric Haffner) im Alter von 39 Jahren in seiner Wohnung an der Place Vendôme Nr. 12 im Pariser Zentrum. Die ihn jahrzehntelang quälende Tuberkulose hatte ihren Tribut gefordert. Zum Zeitpunkt seines Todes wachten enge Freunde, unter anderem auch Solange Dudevant, an seinem Bett. Am darauffolgenden Morgen fertigte Auguste Clésinger die Totenmaske ebenso wie eine Plastik seiner linken Hand.

Chopin wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beerdigt. Sein Herz dagegen wurde auf Chopins vor dem Tod geäußerten Wunsch nach Warschau verbracht, es ist dort in der Heiligkreuzkirche beigesetzt worden.

Werke

Chopins Hauptwerk ist für Klavier geschrieben. Das Violoncello ist immerhin in vier Kompositionen vorgesehen: das Ende der 20er Jahre entstandene Klaviertrio und die Introduction et Polonaise brillante für Klavier und Violoncello sowie das gemeinsam mit seinem Cellisten-Freund Auguste Franchomme verfasste Grand Duo über Themen aus Meyerbeers Oper „Robert der Teufel“. Seine späte Sonate für Violoncello und Klavier steht den drei Klaviersonaten kompositorisch in nichts nach. Seine Lieder erlangten dagegen nie die Bedeutung, wie sie Lieder von zum Beispiel Franz Schubert, Robert Schumann oder Hugo Wolf erreichten. Um so erstaunlicher mag es erscheinen, dass Chopins Werke, vor allen Dingen solche, die nicht die Fingertechnik in den Vordergrund stellen, gesanglichen Charakter haben. Erforschungen seines Kompositionsstils haben gezeigt, dass alle Melodiephrasen so strukturiert sind, als würde sie ein Sänger interpretieren. Die Melodiebögen enden stets an der Stelle, an der ein Sänger Luft holen würde.

Bezeichnend für seine Werke ist auch die scheinbar völlige Unabhängigkeit der Hände voneinander. Nicht selten hat Chopin passagenweise Triolen, also drei Töne in der rechten gegen zwei in der linken Hand gesetzt. Die zweite Etüde opus posthumus besteht komplett aus dieser Kombination. Auch fünf Töne gegen vier oder 21 gegen sechs; man muss davon ausgehen, dass Chopin diese Verbindungen mühelos spielte, ohne dass es zu rhythmischen Unebenheiten kam. In der Spätromantik kamen solche gegeneinander gesetzte Rhythmen immer häufiger zum Einsatz, allerdings war Chopin mit einer der ersten Komponisten, der das Außergewöhnliche wagte. Seine Musik ist zweifellos von ganz eigener Art.

Solistische Werke

Als Pole hat Chopin – wie sein Landsmann Karol Kurpiński – den heimatlichen Tänzen, Polonaisen und Mazurken, ein liebevolles Denkmal gesetzt.

Das früheste von Chopin erhaltene Stück ist eine Polonaise in g-Moll (K. 889) von 1817. In dieser Gattung komponiert er immer wieder. Orientiert er sich bei den Polonaisen zunächst an Vorbildern wie Carl Maria von Weber und Johann Nepomuk Hummel, zeugen seine späteren in Paris entstandenen von Wehmut und Sehnsucht nach seiner Heimat Polen, dessen Unterdrückung den Komponisten schwer beschäftigte. Alle nun entstehenden Polonaisen (ab op. 26 Nr.1) verfügen über eine kadenzierende Auftaktphrase, welche die Stücke formal gliedert.

Die Mazurka war, anders als die Polonaise, anfang des 19. Jahrhunderts eine recht neue Gattung, die sich aber schnell in ganz Europa etablierte. Chopin hörte Mazurken sowohl in den städtischen Salons, als auch deren folkloristische Urform während seiner Sommeraufenthalte auf dem polnischen Land. Mit 15 Jahren schreibt er seine erste (Mazurka B-Dur K. 891-895). Stilistisches Merkmal sind v.a. die gekonnte Verwendung der Chromatik und ein Bass mit Quint-Bordun. Ab den Mazurken op. 6 (entst. 1830-32) komponiert er diese meist in Form von Zyklen, wobei jeweils das letzte Stück einen groß angelegten Abschluss bildet.

Generell eignen sich diese Werke aber nicht, um zum Tanz aufzuspielen, sie sind in den meisten Fällen in zu schnellem Tempo und zu virtuos konzipiert. Einige Polonaisen sind Jugendwerke, die Chopin später nicht veröffentlichen wollte, weil sie ihm zu schlicht waren. Sie sind ohne Opuszahl.

Bezüglich der Tanzbarkeit gilt entsprechendes auch für Chopins Walzer: Ebenfalls in zu raschem Tempo konzipiert, lassen sich mit diesen Werken keine Runden auf dem Parkett drehen. Seine Walzer sind ganz typische Salonstücke, darauf angelegt, angenehm zu unterhalten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Chopin mit wenigen Ausnahmen diese Stücke in Dur-Tonarten setzte, stehen diese doch nach dem abendländischen Harmonieverständnis für eine freudvollere Stimmung als die Moll-Tonarten. Der berühmte „Minutenwalzer“ ist übrigens – anders, als man es häufig hört – nicht darauf angelegt, möglichst in einer Minute gespielt zu werden. Ob dies dem einen oder anderen Pianisten gelingt (das Stück ist ja in raschem Tempo angelegt und sehr beschwingt), mag dahinstehen. Allerdings verdirbt eine zu große Hast beim Vortrag diese bezaubernde Miniatur. Das Werk heißt „Minutenwalzer“, weil es Ausdruck dafür ist, „den Augenblick“ festzuhalten. Dieses Stück ist übrigens auch unter dem Namen „Petit chien“ bekannt, da einer Überlieferung nach Chopin durch den Anblick eines jungen Hundes, der versuchte, seinen eigenen Schwanz zu fangen, zu dem sich ständig um den Ton as drehenden Hauptthema inspiriert worden sein soll.

Eine andere von Chopin weiterentwickelte Werkgruppe sind die 21 Nocturnes. Er baut dabei auf den Nocturnes von John Field auf, wobei Chopins Stücke einen größeren harmonischen Gehalt, abwechslungsreichere Rhythmik und eine geschmeidigere Melodik aufweisen. Auf Virtuosität wird zugunsten des Gefühlsausdrucks weitgehend verzichtet. Die Melodien orientieren sich deutlich am Stil des Belcanto. Ab Opus 27 veröffentlichte er die Stücke durchweg paarweise, weil er sie als miteinander durch ihren antithetischen Charakter verbunden sah.

Die 24 Préludes sind, wie erwähnt, während des Aufenthalts auf Mallorca entstanden. Robert Schumann, der Jahre zuvor aus dem Munde seines Eusebius angesichts Chopins Komposition Là ci darem la mano (beruhend auf der gleichnamigen Arie aus Mozarts Oper Don Giovanni) jubelte: „Hut ab, ihr Herren, ein Genie“, war schlicht entsetzt. Er bezeichnete die Stücke als „Skizzen, Etüdenanfänge, Ruinen, einzelne Adlerfittiche“, in der er trotz einiger Entzückung etwas „Krankes, Fieberndes, Abstoßendes“ fand. 24 Préludes sind es, weil jeder Tonart eines zugedacht ist. Sie sind in der Reihenfolge des Quintenzirkels angeordnet, im Uhrzeigersinn fortlaufend und stets im Wechsel der Dur- sowie der ihr zugehörigen parallelen Moll-Tonart. Beginnend bei C-Dur mit dem sich anschließenden a-Moll, springt Chopin einige Stücke später nach dem Fis-Dur-Prélude wegen der enharmonischen Verwechslung nicht nach dis-Moll, sondern direkt nach es-Moll.

Zahlreiche Legenden ranken sich um den früh verstorbenen Komponisten. Zu diesen gehört auch die Entstehung des Prélude Nummer 15 in Des-Dur. Verschiedentlich wird angenommen, er habe es in der Nacht komponiert, in der George Sand mit ihren Kindern wegen des Unwetters so spät aus Palma zurückgekehrt war und Chopin in verwirrtem Zustand antraf (siehe oben). Dem Stück ist deshalb später der Beiname „Regentropfen-Prélude“ gegeben worden: Durch das ganze Stücke wird in der linken Hand der Ton as in Achteln wiederholt, was an ein gleichmäßiges Tropfen erinnert. Im mittleren Abschnitt (cis-Moll wechselt der Tropfen enharmonisch nach gis). George Sand, die in ihrem Roman Ein Winter auf Mallorca auf die Begebenheit zu sprechen kommt, erwähnt zwar, dass Chopin am Klavier gesessen habe, von einer bestimmten Komposition spricht sie indessen nicht.

Zu Chopins weiteren Werken zählen vier Balladen und vier Scherzi, sehr konzertante und anspruchsvolle Stücke. Im Mittelteil seines Scherzo op. 20 in h-Moll, dessen erstes Thema atemlos und geradezu verzweifelt daherzukommen scheint (angeblich ist es autobiografisch gefärbt), setzte Chopin seiner Heimat ein Andenken, indem er das Thema des polnischen Wiegenliedes Lulajże Jezuniu, lulajże, lulaj, (Schlaf, kleiner Jesus, schlaf) einarbeitete.

Chopins Etüden op. 10 und op. 25 sowie die drei posthum veröffentlichten Werke dieser Gattung widmen sich technischen Raffinessen, sind aber gleichwohl für konzertante Aufführungen geeignet. Chopin betrat hier Neuland, bisher waren Übungsstücke (etwa von Carl Czerny und Johann Baptist Cramer) vorwiegend technisch orientiert. Im Jahrhundert der Romantik sind nun solche Werke nicht mehr ausschließlich der eigenen Vervollkommnung zugedacht. Franz Liszt, Alexander Skrjabin und auch Claude Debussy sind bei der Weiterentwicklung von Etüden ebenso verfahren. Die berühmte „Revolutionsetüde“ in c-Moll – eine heroische Melodie in der rechten Hand über einer technisch anspruchsvollen Sechzehntelbewegung in der Linken – soll anlässlich der Niederschlagung des polnischen Novemberaufstandes 1830 entstanden sein. Dass Chopin mit ihr persönliche Empfindungen wiedergeben wollte, spiegelt nicht nur ihr aufwühlender Charakter, sondern auch der absichtsvoll offen gelassene Schluss. Beliebtheit erfreut sich auch die Etüde op. 10 Nr. 5 in Ges-Dur, die unter dem Beinamen „Etüde auf den schwarzen Tasten“ bekannt ist. Präzise gesagt ist es aber nur die rechte Hand, die ausschließlich auf den schwarzen Tasten daherwirbelt.

In der Sammlung op. 25 fasziniert auch die Nr. 11 in a-Moll sehr ("Sturmetüde"): Das choralartige, wehmütige Thema wird kurz vorgestellt und dann von virtuosen Passagen in der Oberstimme begleitet.

Der Pianist Leopold Godowsky schrieb Chopins Etüden op. 10 und op. 25 später um und erschwerte sie durch noch größere anspruchsvolle Techniken.

Unter Chopins Impromptus ist eines des bekanntesten und beim Publikum beliebtesten das Fantasie Impromptu. Es erschien posthum, denn Chopin hatte es nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Als Grund hierfür wird angenommen, dass er erst nach dem Entstehen des Stückes erkannt habe, dass der Mittelteil eine unglaubliche Ähnlichkeit mit einem Klavierwerk seines böhmischen Kollegen Ignaz Moscheles hatte. Den Vorwurf des Plagiats wollte Chopin sich nicht anheften lassen.

Im Besonderen: Die Sonaten

Chopins umfangreiches Schaffen für Klavier umfasst erstaunlicherweise lediglich drei Sonaten. Die zeitliche Nähe zur Wiener Klassik schien es ihm schwer zu machen, mit dieser an strenge Formen gebundenen Gattung umzugehen. Bis in die heutige Zeit hält sich die Kritik, dass er das Genre nicht richtig beherrschte. Gleichwohl ist zu konzedieren, dass Chopin sich möglicherweise gar nicht an die Form halten wollte. Die erste Sonate ist ein Jugendstück (Chopin widmete sie seinem Lehrer Józef Elsner), die dritte (op. 58, entstanden 1844) ein monumentales Werk, reich an Gedankenvielfalt und Kantabilität.

Die Gemüter am meisten bewegt hat Chopins zweite Sonate in b-Moll (op. 35, entstanden 1839). Seinen berühmten „Trauermarsch“ („marche funèbre“) hatte Chopin bereits 1837 fertiggestellt. In seiner zweiten Sonate, die diesen Trauermarsch als dritten Satz enthält, komponierte Chopin das vorangestellte Grave – doppio movimento und das Scherzo sowie das hintangestellte Presto um dieses Werk herum. Auf ein erstes Hinhören scheinen die Stücke keine Verbindung miteinander zu haben, doch gibt es musikwissenschaftliche Untersuchungen, die Verknüpfungen aufzeigen. Mit diesem Werk hatte Chopin schon zu Lebzeiten Anstoß erweckt. Erstens: Alle Sätze der Sonate sind in Moll geschrieben (was außergewöhnlich für diese Zeit war, entsprach es doch der Gepflogenheit, bei Sonaten in Moll wenigstens einen Satz in Dur zu setzen). Und zweitens sind die Themen der verschiedenen Sätze von einer Schauerlichkeit, die Robert Schumann zu dem Aufschrei veranlasste, Chopin habe hier „vier seiner tollsten Kinder vereinigt“. Die Atemlosigkeit des Grave – doppio movimento, die fast brutale Heftigkeit des Scherzo, der „Trauermarsch“ (Schumann: „grauenhaft“) und das melodielose Finale (ein für beide Hände unisono gesetzte und im Presto-Tempo dargebotene Aneinanderreihung von Tönen – Arthur Rubinstein bemerkte: „ein Raunen des Windes über den Gräbern“) sind alles andere als zeitgemäß.

In diesem Zusammenhang sollte man sich gewahr werden, dass Chopin aufgrund seines kurzen Lebens kein Alterswerk vorlegen konnte. Andere Komponisten wie Ludwig van Beethoven oder Franz Liszt sind Beleg für eine große und weiterentwickelte, reife Schaffenskraft im höheren Alter. Wäre Chopin ein entsprechend hohes Alter vergönnt gewesen, man hätte sich wahrscheinlich auf noch ganz andere Stücke als die Sonate in b-Moll einstellen dürfen.

Die Klavierkonzerte

Neben solistischen Werken erfreuen sich zwei Klavierkonzerte großen Bekanntheitsgrades. Nr. 1 in e-Moll entstand zeitlich später als Nr. 2 in f-Moll. Immer wieder gern diskutiert und doch nicht eindeutig geklärt ist, ob Chopin die Orchestrierung der Konzerte selbst vorgenommen hat. Es spricht nichts dagegen, Chopin konnte orchestrieren, allerdings zeigen diese Kompositionen, dass er die Rolle des Orchesters eher als schmückendes Beiwerk betrachtete. Das Orchester darf einleiten, überleiten und die Schlusspassagen spielen, aber dort, wo das Klavier seinen Auftritt hat, ist es komplett zurückgenommen und reduziert auf eine schmale Begleitung des Soloinstrumentes. Man könnte darauf verzichten. Und man könnte, wenn Kraft und Konzentration es zulassen, die Klavierkonzerte auch als reine Solostücke aufführen, indem man die Orchesterpartie in der Klavierfassung gleich mitspielt.

Deutsche Chopin-Gesellschaft

Die Deutsche Chopin-Gesellschaft e.V. wurde 1962 als "Chopin-Gesellschaft der DDR" gegründet. Die Gesellschaft pflegt das Werk Chopins, initiiert Konzerte und Vorträge, fördert junge Pianisten, nimmt Einfluss auf das Musikleben mit dem Ziel, Aufführungen Chopinscher Werke mit nationalen und internationalen Künstlern zu fördern und anzuregen und arbeitet mit anderen Verbänden, Einrichtungen und Institutionen zusammen. Derzeit haben sich bundesweit 63 Mitglieder in mehreren Regionalverbänden organisiert. Jährlich finden ca. 75 Konzerte statt, bei denen die Gesellschaft Initiator oder Veranstalter ist. Ehrenpräsident ist der Komponist, Pianist und Pädagoge Prof. Karl-Heinz Pick (Leipzig), Präsident der Musikwissenschaftler und Komponist Bernd Weinreich (Cottbus).

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