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Biografie

Eric Alfred Leslie Satie (17. Mai 1866, Honfleur - 1. Juli 1925, Paris) war ein fränzosischer Komponist und Pianist.

Satie bezeichnete sich selbst als "Gymnopedist" (in Bezug auf seine berühmten Gymnopédien"). Er schrieb Artikel in einigen Zeitschriften und nannte sich selbst einen "Phonometrographen". Satie darf als echter Wegbereiter angesehen werden, ebnete er doch vielen Avant-garde-Künstlern des 20. Jahrhunderts den Weg.

Er wird meist "Erik Satie" geschrieben, da er seinen Namen 1884 selber so veränderte.

Leben

Als Sohn eines französischen Schiffsagenten und einer englischen Mutter schottischer Herkunft blieb Satie seit dem Umzug der Familie aus Honfleur nahe Le Havre nach Paris im Herbst 1878 dieser Musikmetropole zeitlebens treu. Nach kurzzeitigen Studien am Conservatoire National de Musique et de Déclamation und abgekürztem Militärdienst bezog Satie zunächst 1887 im Stadtteil Montmartre Quartier, um schließlich aufgrund der zunehmenden Urbanisierung seiner Umgebung 1898 in den Pariser Vorort Arcueil zu übersiedeln, wo der Tonkünstler sich bis zu seinem Tode 1925 seinen Kompositionen widmete.

Werk

Die ungeteilte Aufmerksamkeit der Musikwelt wurde Satie erst durch die Pariser Erstaufführung seines Balletts Parade zuteil, welches am 18. Mai 1917 unter der Stabführung von Ernest Ansermet im Théâtre du Châtelet zu einem berühmten Skandal geriet. Die Mitwirkung des russischen Impressarios Sergei Diaghilew und seines Ballets Russes, die Choreographie von Léonide Massine, die Bühnenbilder und Kostüme von Pablo Picasso, sowie die Balletthandlung des Dichters Jean Cocteau hatten keinen geringen Anteil am großen Erfolg des Stücks. Saties Kompositionen, bislang nur Kennern jenseits des anrüchigen linken Seine-Ufers bekannt, wurden daraufhin von der Pariser Musikwelt entdeckt und schon bald zur französischen Musik schlechthin erklärt.

Die Kunstästhetik Saties setzt sich aus drei grundsätzlich voneinander verschiedenen Ausdrucksformen zusammen, die seine Tonkunst entscheidend prägen. Diese komplementären Stilmittel sind die der mittelalterlichen Mystik entliehene meditative Haltung seiner frühen Klavierwerke, die dem innovativen Geist der Music-Hall und des Zirkus abgewonnene Unterhaltungskunst seiner Cabaretstücke und schließlich die dem Esprit Nouveau folgende Einstellung der „Rückkehr zur klassischen Form“ auf der Basis einer modernen Empfindung, wie wir sie in seinem Spätwerk Socrate (1918) vorfinden können.

Wirkung

Sich auf einen Vortrag des französischen Dichters Guillaume Apollinaire beziehend, erklärte Satie den hierbei in die Diskussion gebrachten Begriff des Esprit Nouveau zum wichtigsten Impuls für die moderne Tonkunst Frankreichs. Apollinaire, rekapitulierte Satie, habe den Esprit Nouveau als den Zeitgeist in einer an Überraschungen reichen Epoche bezeichnet. Eben diese Überraschung und die ihr innewohnende Wirkung betrachtete Satie als die wichtigste neue Triebkraft des Esprit Nouveau. Weiter verstand Satie seine persönliche Auffassung vom Esprit Nouveau in der Wiederaufnahme klassischer Formgestaltung vom Standpunkt eines modernen Kunstbegreifens.

Im Verlauf ihrer ersten verbürgten Begegnung, die 1891 im Cabaret Auberge du Clou stattfand, legte Satie seinem Musikerkollegen Claude Debussy dar, dass die moderne französische Musik sich tunlichst von den Einflüssen der Tonkunst Richard Wagners lösen müsse, da die Ästhetik des in Frankreich zu einem Kult erhobenen Wagnerismus der französischen Denk- und Empfindungswelt eigentlich nicht entspräche. Weiter wies Satie den aufmerksam lauschenden Debussy auf die Kunstwerke von Puvis de Chavannes, Claude Monet und Toulouse-Lautrec hin, deren Atmosphäre und Aussagekraft fortan als Maßstab für die zeitgenössische Musik Frankreichs zu gelten hätten. Der ab etwa 1890 einsetzende Wandel Debussys vom überzeugten Wagnerianer zum gänzlich gegensätzlich gearteten französischen Hauptvertreter des musikalischen Symbolismus, beispielsweise versinnbildlicht im Gegensatz von den noch als Wagnérie zu bezeichnenden Cinque poèmes de Baudelaire (1890) und den der unwirklichen Traumwelt seiner Oper Pelléas et Mélisande(1895) nahestehenden Chansons de Bilitis (1898) auf Prosadichtungen seines symbolistischen Dichterfreundes Pierre Louys, darf durchaus mitunter auf die Überzeugungskraft der musikästhetischen Argumentation Saties zurückgeführt werden.

Als Zeuge des triumphalen Erfolgs der Oper Pelléas et Mélisande bei ihrer Pariser Erstaufführung am 30. April 1902 erkannte Satie an, dass sein Musikerfreund Debussy, die ihm seinerzeit vorgetragenen tonkünstlerischen Ideale formvollendet in die Tat umgesetzt hatte. Daraufhin erklärte er im Freundeskreis dem Geniestreich seines Kameraden den gebührenden Respekt zollend, ein Meisterwerk gehöre letztlich demjenigen, der es sich erarbeitet habe. Um als wahrer Schaffender jedoch zukünftig überleben zu können, so weiter Satie seinen Anhängern gegenüber, unterliege ihm nunmehr die Aufgabe, bald schon eine neuartige, dem Symbolismus vollkommen entgegengesetzte Musikästhetik zu formulieren.

Den jungen Musikern, die sich ab 1917 unter dem Namen Nouveaux Jeunes verstärkt für die Interpretation der Musik Saties in Paris einsetzten, riet der Meister von Arcueil, wie Satie zu dieser Zeit genannt wurde, sich in ihren Kompositionen simpel auszudrücken. Auf eine Epoche der Raffinesse, so Satie, sei als Antwort nur die Simplizität denkbar. Keine Rückkehr zu alten, einfachen Satzweisen, präzisierte Satie, vielmehr eine Neue Simplizität, die mit allen bestehenden Feinheiten vorausgegangener Stile angereichert werden müsse. Weiter empfahl Satie den jungen Tonkünstlern, ihrem künstlerischen Weg kompromisslos zu folgen sowie in ihren Kompositionen stets das Gegenteil von seinen Werken anzustreben und letztlich ihrer inneren Stimme Gehör zu schenken. Bald darauf betrachtete Jean Cocteau im Verlauf seiner Vorträge die Kompositionen von Satie als wahre französische Musik, die sich sowohl durch die diatonische Natur ihrer Ausdrucksweise als auch durch die frische Leichtigkeit ihres Gehalts auszeichne.

Die Theorien Saties von einer zukünftigen französischen Musik erweckten das ungeteilte Interesse der Pariser Musikwelt und wurden bald schon durch den Musikerkreis Les Six als Gemeinschaftskomposition im Ballett Les Mariées de la Tour Eiffel (1921) verwirklicht, welches am 18. Juni 1921 vom Ballets Suèdois mit großem Erfolg am Théâtre des Champs-Elysées seine Uraufführung erfuhr.

Der französische Komponist Robert Caby - der Satie 1924 kennenlernte - wurde nach Saties Tod zu einem der wichtigsten Nachlassverwalter der apokryphen Werke und rettete unter anderem Saties wohl bekanntestes Werk, die 840 mal zu wiederholenden Vexations für Soloklavier, vor dem Vergessen.

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