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Anna Marly (russisch Анна Юрьевна Марли; * 30. Oktober 1917 in Petrograd; † 15. Februar 2006 in Palmer) war eine aus Russland stammende französische Sängerin und Songschreiberin. Ihre Berühmtheit basiert auf dem Lied "Chant des partisans", das in der Zeit der deutschen Besetzung Frankreichs die Hymne des Widerstandes wurde.

Anna Marly wurde 1917 als Anna Jurjewna Betulinskaja (russisch Анна Юрьевна Бетулинская) in Petrograd geboren. Ihr Vater war Aristokrat und wurde in den Wirren der Oktoberrevolution erschossen. Zuerst flüchtete ihre Mutter mit ihr, ihrer Schwester und einem Kindermädchen nach Finnland, ehe sie sich an der französischen Riviera niederließen, wo es eine große Anzahl russischer Emigranten gab.
Als Jugendliche bekam sie Musikunterricht bei Sergei Sergejewitsch Prokofjew, im Alter von 16 Jahren war sie Tänzerin des russischen Balletts in Monte Carlo. Ein Jahr später ging Anna nach Paris.

Im Alter von fast 17 Jahren bekam Anna ein Engagement im Kabarett Shéhérazade in der Rue Liége in Paris. Dort feierte sie, mit einer Gitarre zu eigenen Kompositionen auftretend, erste Erfolge. Ihren Künstlernamen Marly entnahm sie nach eigenem Bekunden aus dem Pariser Telefonbuch. Bei einem Auftritt in den Niederlanden lernte sie einen holländischen Diplomaten, Baron van Doorn, kennen, den sie 1938 heiratete. Nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen im Juni 1940 flohen beide über Spanien und Portugal nach London.

Anna Marly nahm in London Kontakt mit den Vertretern des freien Frankreich auf. Sie wurde Mitglied der FFL, in deren Cafeteria sie arbeitete und auch auftrat. Ferner wirkte sie am französischen Radioprogramm der BBC mit, welches nach Frankreich gesendet wurde. Nach der Schlacht von Smolensk im Jahre 1942 sang sie ein russisches Lied. Der Literat Joseph Kessel und sein Neffe Maurice Druon schrieben dazu einen französischen Text. Dies war die Geburtsstunde des "Chant des Partisans", der - nach Frankreich durch den Äther gesendet, zur Hymne der Résistance wurde. Während des Exils zerbrach ihre Ehe mit Baron van Doorn.

1945 kehrte Anna nach Frankreich zurück, inzwischen eine Berühmtheit geworden. Als Botschafter des Chansons trat sie in Südamerika und Afrika auf. In Brasilien lernte sie ihren zweiten Mann, den Russen Juri Smirnow kennen. Sie schrieb über 300 Lieder und ihr größter Song wurde unter anderem von Leonard Cohen, Yves Montand und Joan Baez aufgenommen. Ihr Lied wurde in Frankreich sogar in der Schule von den Schülern gelernt und sie erfuhr zahlreiche Ehrungen, so erhielt sie 1985 von Präsident François Mitterrand den Orden der Ehrenlegion. 1959 ließ sie sich mit ihrem zweiten Mann in den USA nieder und bekam im Jahre 1965 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1980 veröffentlichte sie ihre Biographie unter dem Titel "Anna Marly - Troubadour der Résistance". Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 2000 zog sie nach Alaska, wo sie sechs Jahre später verstarb.
Sie war nach eigener Aussage am meisten darüber erfreut, dass ihr Lied in Russland bekannt wurde. So, sagte sie, fand ihr Lied seinen Weg zurück in die Heimat.

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